Welchen Benefit bringt der Lipidsenker Obicetrapib als Add-on bei hohem Herz-Kreislauf-Risiko? Für Patienten mit heterozygoter familiärer Hypercholesterolämie und atherosklerotischen Erkrankungen offenbar einige Vorteile.
Zielwert selten erreicht
Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge der Atherosklerose sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland, informiert die DGFL-Lipid-Liga anlässlich des Tags des Cholesterins am 6. Juni 2025. Nach wie vor gilt eine Senkung des LDL-Cholesterols als wirksame Strategie zur Risikosenkung für kardiovaskuläre Ereignisse. Die aktuelle ESC/EAS-Leitlinie empfiehlt in der Sekundärprävention bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten einen Zielwert für das Low-Density-Lipoprotein (LDL) von < 55 mg/dl. Doch weniger als 20% dieser Zielgruppe erreichen das, deshalb ist mit steigendem Risikoprofil eine kombinierte Wirkstoffgabe sinnvoll.
Kombitherapie bei hohem Risiko
Der Cholesterinester-Transferprotein-Inhibitor Obicetrapib wirkt hochselektiv und zielt auf die Senkung des LDL und eine gleichzeitige Erhöhung des High-Density-Lipoprotein (HDL) ab. Die randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie BROADWAY, in die 2530 Patienten mit heterozygoter familiärer Hypercholesterolämie sowie atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Vorgeschichte (koronare Herzkrankheit, zerebrovaskuläre Erkrankung, periphere arterielle Verschlusskrankheit) eingeschlossen waren, sollte Erkenntnisse zu möglichen Vorteilen einer Obicetrapib-Therapie liefern.
Die Lipidwerte der Probanden lagen bei ≥ 100 mg/dl LDL-Cholesterol beziehungsweise bei ≥ 130 mg/dl Non-HDL-Cholesterol. Probanden mit 55 bis 100 mg/dl LDL-Cholesterol sowie 85 bis 130 mg/dl Non-HDL-Cholesterol mit mindestens einem zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktor wurden ebenfalls in die Studie aufgenommen. Im Mittel lag der LDL-Wert bei 98 mg/dl, der HDL-Spiegel betrug 49 mg/dl. Alle Teilnehmer erhielten bereits die maximal verträgliche Dosis eines Lipidsenkers (91% Statine, 27% zusätzlich Ezetimib und 4% PCSK9-Hemmer). Die Intervention bestand in einmal täglich 10 mg Obicetrapib beziehungsweise Placebo über ein Jahr. Primärer Endpunkt war die prozentuale Senkung des LDL-Cholesterols an Tag 84 gegenüber dem Startwert.
Bessere Werte nach 84 Tagen
Unter Obicetrapib ließ sich der LDL-Cholesterolspiegel bei den Risikopatienten um 29,9% senken. Unter Placebo betrug die Veränderung +2,7 %. Es ergab sich also eine Differenz von 32,6 Prozentpunkten.
Der mittlere LDL-Cholesterolspiegel an Tag 84 betrug 62,8±37,3 mg/dl in der Verum-Gruppe und 92,3±35,1 mg/dl unter Placebo. Unter Obicetrapib erreichten 51,0% der Patienten Werte unter 55 mg/dl im Vergleich zu 8,0% in der Placebo-Gruppe. Zusätzlich wurden unter Obicetrapib Verbesserungen bezüglich Apolipoprotein B (–18,9 Prozentpunkte), Non-HDL-Cholesterol (-29,4 Prozentpunkte), Triglyceriden (–7,8 Prozentpunkte), HDL-Cholesterol (+136,3 Prozentpunkte) und Apolipoprotein A1 (+43,2 Prozentpunkte) beobachtet. Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen ähnlich.
Quelle
Nicholls SJ, Nelson AJ, Ditmarsch M, et al. Safety and efficacy of obicetrapib in patients at high cardiovascular risk. N Engl J Med. Published May 7, 2025. doi: 10.1056/NEJMoa2415820.
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