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Darmkrebs & Co: mehr Früherkennung, weniger Behandlung?

Ist das deutsche Gesundheitssystem zu sehr auf Behandlung und zu wenig auf Früherkennung und Prävention ausgerichtet? Welche Wege man im Bereich Pankreas- und Darmkrebs gehen kann, um Angebote zu verbessern, diskutierten Experten auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Pankreaskarzinom: neue Wege zur Früherkennung und Prävention nötig

Das Pankreaskarzinom ist in Deutschland die vierthäufigste krebsbedingte Todesursache. Prognosen zufolge wird es bis 2030 an zweiter Stelle stehen, berichtete Prof. Dr. med. Patrick Michl, Heidelberg. Ein Problem: Es wird oft erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Leicht zu identifizierende Vorstufen wie bei Darmkrebs gibt es nicht. Nur jeder Fünfte sei bei Diagnosestellung operabel, langfristig überleben nur etwa 10% der Patienten, sagte Michl. Warum die Inzidenz steige, wisse man noch nicht. Neben unspezifischen Risikofaktoren – darunter Rauchen, Diabetes mellitus, Alkohol, metabolische Fettleber, Übergewicht – gibt es weitere bekannte Risikofaktoren. Dazu gehören Zysten der Bauchspeicheldrüse und bestimmte genetische Risikokonstellationen. Wenn sich ein lange bestehender Diabetes plötzlich verschlechtere, könnte dies ein Frühwarnsystem für ein Pankreaskarzinom sein.

Wir müssen mehr Patienten erreichen!

Für ein Screening sei die Datenlage noch zu dünn. Früherkennungsmethoden wie Stuhltests, die für Darmkrebs gut funktionieren, seien beim Pankreaskarzinom keine Option. Für Risikogruppen brauche es die Genomdiagnostik, betonte Michl. Dazu benötige man aber eine Finanzierung für die genetische Testung und für weitere Forschung. Eine genetische Abklärung empfiehlt sich für Menschen mit zwei oder mehr erstgradig verwandten Familienmitgliedern mit Pankreaskarzinom oder bei bekannten genetischen Syndromen oder Mutationen in der Familie. Bestätigt sich die Risikokonstellation, sollten jährliche Bildgebungsuntersuchungen erfolgen.

Das deutsche Gesundheitssystem ist viel zu sehr ausgerichtet auf die Behandlung.

Das sei aber für Patienten mit Pankreaskarzinom keine gute Option, denn auch wenn es Fortschritte gegeben hat: „Die Behandlung beim Pankreaskarzinom […] ist auch 2025 keine Erfolgsgeschichte.“

Darmkrebs: präventives Potenzial besser umsetzen

60.000 Darmkrebsfälle pro Jahr seien „60.000 Fälle zu viel“, betonte Prof. Dr. med. Thomas Seufferlein, Ulm. Im Gegensatz zum Pankreaskarzinom gebe es gute Früherkennungsmöglichkeiten. Doch das Potenzial werde nicht ausgeschöpft. Mit mindestens 150 min/Woche Bewegung könne jeder Einzelne zudem sein Risiko senken – zusammen mit einer gesunden Ernährung sowie Verzicht auf Rauchen und Alkohol um immerhin 50%.

Bewegung hat richtig viel Power!

Daten zufolge, die kürzlich auf dem amerikanischen Krebskongress ASCO vorgestellt wurden, könnte Bewegung nach einer überstandenen Darmkrebserkrankung sogar mehr vor Rezidiven schützen als eine unterstützende Chemotherapie.

Die Sekundärprävention konzentriert sich auf die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Darmkrebs oder seiner Vorstufen. Der immunologische Stuhltest (iFOBT) wird ab dem 50. Lebensjahr angeboten. Er sei einfach und nichtinvasiv, habe jedoch eine geringere Sensitivität als die Koloskopie. Diese sei nach wie vor der Goldstandard, zumal Polypen gleich entfernt werden können, bevor sie bösartig werden. Die Erkennungsraten sind in den letzten Jahren immer besser geworden.

Trotz der guten Evidenz bleiben die Teilnahmeraten jedoch niedrig: Nur 20 bis 25% nehmen eine Koloskopie wahr, kaum 30% machen einen Stuhltest. Als Hürden nannte Seufferlein das unpersönliche, bürokratische Einladungsverfahren und eine schlechte Einbindung der Hausärzte.

Wir könnten mindestens die Hälfte aller Darmkrebsfälle verhindern.

Es brauche niederschwelligere Angebote. In den Niederlanden beispielsweise würden die Stuhltests gleich mit der Einladung mitgeschickt. Auch Präventionsapps könnten helfen. Neue Methoden wie molekulare Stuhltests und Bluttests („Liquid Biopsy“) sind bisher nicht Teil der Regelversorgung, bedauerte Seufferlein.

Quelle

Prof. Dr. med. Patrick Michl, Heidelberg, Prof. Dr. med. Thomas Seufferlein, Ulm. Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. „Gesunder Bauch – gesundes Leben: Gastroenterologische Prävention im Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt, individueller Verantwortung und Gesundheitspolitik“, am 4. Juni 2025, online.

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