Bisherige Pharmakotherapien gegen die Parkinson-Krankheit sind vor allem symptomatisch. Langfristig ist es jedoch das Ziel, die Neurodegeneration mit krankheitsmodifizierenden Therapien zu bremsen. Auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e. V. wurden neue Ansätze vorgestellt, die derzeit in der Entwicklung sind.
Neue Arzneimittel im Visier der Forschung
Zum Verlangsamen des Krankheitsverlaufes müsse man in die Stoffwechselwege eingreifen, sagte Prof. Dr. med. Kathrin Brockmann, erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e. V. Drei Wirkstoffziele stehen derzeit im Fokus der Forschung: α-Synuklein, dessen Aggregation im Gehirn eng mit der Pathogenese und der fortschreitenden Neurodegeneration verknüpft ist, der GLP-1-Rezeptor, dessen Aktivierung neuroprotektive Effekte haben könnte, sowie zielgerichtete Stoffwechselwege bei genetischen Formen der Parkinson-Krankheit.
Hier hat die Forschung in den letzten Jahren einen Quantensprung gemacht.
Prasinezumab: α-Synuklein-Antikörper zeigt Wirksamkeit
Der gegen α-Synuklein gerichtete Antikörper Prasinezumab wird in den Phase-II-Studien PASADENA und PADOVA untersucht. Die primären Endpunkte wurden zwar nicht erreicht, in einer Subgruppenanalyse der PASADENA-Studie mit Fokus auf Patienten mit schnellerer motorischer Progression deute sich jedoch an, dass eine Verlangsamung des Erkrankungsverlaufs im frühen Erkrankungsstadium möglich sein könnte.
In der PADOVA-Studie wurde nicht die kontinuierliche Verschlechterung, sondern die Häufigkeit und die Zeit bis zum Erreichen eines klinisch relevanten Meilensteins als Endpunkt definiert. Insbesondere Teilnehmende mit bestehender Levodopa-Therapie erreichten unter Prasinezumab den motorischen Meilenstein weniger häufig und langsamer als die Placebo-Gruppe, so Brockmann. Im November 2025 sei daher mit PARAISO eine Phase-III-Studie gestartet.
„Parkinson-Impfung“ mit Hinweisen auf Wirksamkeit
Neben den passiven Antikörper-Ansätzen wird auch eine aktive Impf-Strategie untersucht, bei der das Immunsystem die gegen α-Synuklein gerichteten Antikörper herstellt. Erste Zwischenergebnisse der VacSyn-Studie mit dem Wirkstoff ACI-7104.056 deuten an, dass eine gezielte Behandlung mit einer aktiven Immuntherapie das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit verlangsamen könnte.
GLP-1-Rezeptoragonisten: neue Studie mit Exenatid
GLP-1-Rezeptoragonisten wird eine neuroprotektive Wirkung zugeschrieben. In einer Phase-III-Studie hatte der GLP-1-Rezeptoragonist Exenatid allerdings keine signifikanten Vorteile hinsichtlich einer Krankheitsmodifikation gezeigt. Nun werden die Ergebnisse einer neuen Studie mit Exenatid bei Teilnehmern mit frühem Erkrankungsstadium erwartet.
Therapie spezifischer Stoffwechselkaskaden bei genetischen Parkinsonformen
Neben dem natürlichen Alterungsprozess der Zellen sowie Einflüssen durch Lebensstil und Umweltfaktoren spielen auch genetische Veränderungen eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Parkinson-Krankheit. Zu den seltenen Mutationen gehören zum Beispiel Veränderungen in den Genen SNCA, LRRK2, Parkin und PINK1. Zum LRRK2-Kinase-Inhibitor BIIB122 laufen derzeit Phase-II-Studien.
Mit Ambroxol gegen Parkinson?
Der derzeit wichtigste genetische Risikofaktor sind Brockmann zufolge Veränderungen im GBA1-Gen. Eine Parkinson-Erkrankung auf Basis einer genetischen Prädisposition in diesem Gen verläuft in der Regel schneller und ist häufiger mit kognitiven Einschränkungen verbunden. Ursache ist vermutlich eine verminderte Aktivität des Enzyms Glucocerebrosidase (GCase). Damit einhergehend kommt es zu einem gestörten Abbau von Sphingolipiden und vermehrter Akkumulation von α-Synuklein im Gehirn.
In mehreren Studien wird versucht, die Aktivität der Glucocerebrosidase mithilfe von Small molecules oder allosterischen Aktivatoren zu steigern. Eine Prüfsubstanz ist Ambroxol, das seit Langem als Mukolytikum und Bronchodilatator eingesetzt wird. In hohen Dosierungen, so die Rationale, kann Ambroxol als inhibitorisches Chaperon für mutierte GCase wirken.
In der PreCoDe-Studie wird ab Sommer 2026 Prasinezumab bei Personen mit GBA1-Mutation getestet, um der beschleunigten Protein-Aggregation und damit der Entwicklung kognitiver Defizite entgegenzuwirken.
Noch ist es ein weiter Weg, bis krankheitsmodifizierende Therapien zur Verfügung stehen könnten. Doch Brockmann zeigt sich zuversichtlich:
Mit jeder Studie wächst das Verständnis für die biologischen Mechanismen hinter der Parkinson-Krankheit – und damit die Chance und Hoffnung, dass wir bald medikamentös in den Verlauf eingreifen können.
Quelle
Online-Pressekonferenz zum Welt-Parkinson-Tag (11. April 2026) und Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen (16.–18. April 2026). „Parkinson: Neue Erkenntnisse, neue Hoffnung“, 25. März 2026
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