Wenn eine Infektion mit dem respiratorischen Synzytialvirus überstanden ist, bleibt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht. Ein Grund mehr für die Impfung.
Risiko abseits der Atemwege
Akute Atemwegsinfektionen sind deutliche, wenn auch vorübergehende, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das gilt auch für Erkrankungen durch das respiratorische Synzytialvirus (RSV). Doch selbst nach scheinbarer Genesung bleibt die kardiovaskuläre Gesundheit gefährdet, so das Ergebnis einer dänischen Kohortenstudie mit knapp 17.500 Erwachsenen.
Die Forschenden teilten die Daten 1:1 nach Alter, Geschlecht und bestehenden Vorerkrankungen ein und suchten nach auftretenden kardiovaskulären Ereignissen innerhalb eines Jahres nach der RSV-Infektion. Dazu zählten ischämische Herzkrankheit, Schlaganfall, venöse Thromboembolie, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und entzündliche Herzkrankheit (Karditis).
Mehr Ereignisse nach RSV
Die kumulativen Inzidenzen sowohl für sämtliche kardiovaskuläre Ereignisse als auch allein für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse (major adverse cardiac events, MACE) waren bei Personen mit RSV-Infektion während der 365-tägigen Nachbeobachtungszeit erhöht.
Es gab 665 kardiovaskuläre Ereignisse bei Personen mit RSV-Infektion (n = 8747) und 257 bei Probanden ohne Infektion (n = 8747) . Daraus ergab sich ein Risikounterschied von 4,69 Prozentpunkten und ein statistisch signifikantes Überrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Eine RSV-Infektion war sowohl an Tag 30 als auch an Tag 365 für alle Ereignisse mit erhöhten Risikounterschieden assoziiert, einzige Ausnahme: entzündliche Herzerkrankungen.
Besondere Risikogruppen ergaben sich im Zusammenhang mit Krankenhausaufenthalten, höherem Lebensalter und bestehenden Herz-Kreislauf- sowie Diabeteserkrankungen. Doch auch jüngere Personen und Menschen ohne Komorbiditäten traf das höhere Risiko nach RSV-Infektion.
Impfen auch fürs Herz
Die kardiovaskuläre Belastung durch eine RSV-Infektion über ein Jahr ist vergleichbar mit der im Zuge einer Influenza-Infektion. Die Studienautoren sehen in ihren Ergebnissen eine Bestätigung für das Potenzial von Impfprogrammen. Solche Maßnahmen spielen eine entscheidende Rolle, nicht allein gegenüber Atemwegserkrankungen, sondern auch in der Prävention von spezifischen und schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und zwar nicht nur für tendenziell gefährdete Bevölkerungsgruppen.
Quelle
Hviid A, Fischer TK, Biering-Sørensen T, Bech Svalgaard I. Cardiovascular Events 1 Year After Respiratory Syncytial Virus Infection in Adults. JAMA Netw Open. 2025;8(12):e2547618. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.47618 (Zugriff am 27.01.2026).
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