Lachgas gegen Depressionen?

Ursprünglich als Narkotikum eingesetzt, spielt Lachgas heute in der Medizin kaum noch eine Rolle. Das könnte sich zukünftig ändern: In einer kleinen Metaanalyse wurde die Wirksamkeit des Gases bei Depressionen untersucht – mit positiven Ergebnissen.

Mehr als eine Partydroge

Obwohl Distickstoffmonoxid („Lachgas“) aufgrund des Missbrauchs als Partydroge aktuell häufiger medial thematisiert wird, nimmt seine Bedeutung in der Medizin ab. Das Narkotikum findet nur noch in wenigen Indikationen, beispielsweise in der Zahnmedizin und Gynäkologie Anwendung. Als NMDA-Rezeptorantagonist könnte Distickstoffmonoxid jedoch auch eine relevante Wirksamkeit bei Depressionen haben, wie frühere Studienergebnisse andeuten. In einer aktuellen Metaanalyse wurden bestehende Daten genauer unter die Lupe genommen.

Signifikante Senkung depressiver Symptome

In die Analyse wurden sieben randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 247 Teilnehmern eingeschlossen. Die Patienten litten unter depressiven Störungen, darunter Major Depression, therapieresistente Depression und bipolare Depression. Sie wurden mit inhalativem Distickstoffmonoxid in den Konzentrationen 25% und 50% in Einzel- oder Wiederholungssitzungen behandelt. Die Sitzungen waren zwischen 20 und 60 Minuten lang. Eingeschlossene Studien waren typischerweise in frühen Entwicklungsphasen (Phase I bis II oder Proof-of-Concept). Als primärer Endpunkt galt die Veränderung depressiver Symptome und unerwünschte Ereignisse.

Bei einer einmaligen Behandlung mit 50%igem Distickstoffmonoxid konnte zwei Stunden nach Inhalation des Gases eine signifikante Senkung depressiver Symptome erreicht werden, verglichen mit Placebo (Luft/Sauerstoff) (gepoolte mittlere Differenz [MD] auf der Hamilton Depression Rating Scale –2,74; p = 0,007), so die Ergebnisse einer gepoolten Analyse aus drei Studien. Nach 24 Stunden lag die Veränderung bei –3,32 (p < 0,0001). Nach einer Woche war der Effekt nicht mehr signifikant (MD –1,52; p =0,24). Die unter Distickstoffmonoxid auftretenden unerwünschten Ereignisse waren leicht und vorübergehend. Typische Nebenwirkungen des Gases waren Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und vorübergehende Dissoziation. Im Allgemeinen war 25%iges Distickstoffmonoxid besser verträglich.

Evidenz stärken

Basierend auf den Studiendaten könnte Distickstoffmonoxid als schnelle Intervention bei Depressionen dienen. Die Dauer der Wirksamkeit war jedoch begrenzt und auch die optimale Dosierung ist noch unklar. Die Autoren weisen außerdem auf die geringe Anzahl der eingeschlossenen Studien mit kleinen Stichprobengrößen hin, die die Aussagekraft der Metaanalyse begrenzen. Außerdem ist die Evidenz durch die frühen Studienphasen begrenzt. Zukünftige standardisierte klinische Studien sind unerlässlich, um die Evidenzbasis des Gases zu stärken, erklären die Autoren.

Quelle

Gill K, de Cates AN, Wiseman C, et al. Nitrous oxide for the treatment of depression: a systematic review and meta-analysis. EBioMedicine. 2025;122:106023. doi:10.1016/j.ebiom.2025.106023

Bildquelle

HYUNGKEUN – stock.adobe.com