Link zum Beitrag

Gesund in die Wechseljahre

Die Wechseljahre sind ein Wendepunkt im Metabolismus der Frau. Prof. Dr. Julia Szendrödi erläuterte damit einhergehende medizinische Herausforderungen bei der Kongress-Pressekonferenz der 19. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Veränderte Stoffwechsellage in den Wechseljahren

Die Menopause verändert den Stoffwechsel – Muskelmasse und Grundumsatz nehmen ab, viszerales Fett und Blutzucker steigen, erläuterte Szendrödi. Damit nimmt auch das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- und Leber-Erkrankungen zu.

Eine frühe Menopause unter 45 Jahre erhöht das Risiko für Diabetes. Bereits in der Perimenopause, die bei Typ-1-Diabetikerinnen früher auftritt als bei Frauen ohne Diabetes, schwankt die Hormonsekretion und der Estrogenspiegel sinkt insgesamt. Dies hat unter anderem Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Frauen mit Typ-1-Diabetes erleben häufig schwankende und unvorhersehbare Blutglucosewerte und damit auch einen wechselnden Insulinbedarf.

Auch nach der Menopause bleibt der Insulinbedarf meist erhöht, da der Stoffwechsel weniger flexibel reagiert, erklärte Szendrödi. Darüber hinaus kann während der Wechseljahre zum Typ-1-Diabetes ein Typ-2-Diabetes hinzukommen („Double Diabetes“).

Was laut Szendrödi häufig vergessen werde: Frauen mit einem früheren Schwangerschaftsdiabetes sollten in der Verlaufskontrolle bleiben, denn sie haben später ein erhöhtes Risiko, während der Menopause einen Diabetes zu entwickeln.

Risiko für Herz- und Lebererkrankungen steigt

Neben dem Diabetes werden auch Herz und Leber durch die Hormonumstellung in der Menopause ungünstig beeinflusst. Der Schutz des Estrogens nimmt durch sinkende Spiegel ab und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt.

Die Fettverteilung im Körper verändert sich und Fettlebererkrankungen wie die metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD, nichtalkoholische Fettlebererkrankung) werden wahrscheinlicher. Vor den Wechseljahren sind Frauen hingegen deutlich seltener betroffen als Männer. Für Frauen mit Diabetes ist auch das Risiko für eine fortschreitende Leberfibrose deutlich erhöht.

Risiko kennen, Präventionsmaßnahmen ergreifen

Frauen sollten in den Wechseljahren ihr Risiko für diese Erkrankungen erheben und kennen. Besonders Frauen mit Gestationsdiabetes oder früher Menopause sollten ihr persönliches Risiko regelmäßig überprüfen, so Szendrödi.

Auch werden Frauen beispielsweise hinsichtlich Blutdruck- und Blutfettwerten seltener leitliniengerecht behandelt und erreichen in Leitlinien vorgegebene Zielwerte seltener als Männer – ein weiteres Risiko für Folgeerkrankungen. Gründe könnten mangelnde Selbstfürsorge, geringe Bildung und fehlende finanzielle Ressourcen sein.

Das Thema der Selbstfürsorge ist bei Frauen oft wenig ausgeprägt […] Und Ärzte fragen oft zu wenig nach, weil sie immer denken, wenn die sich um alles kümmern, kümmern sie sich auch um sich selbst.

Weitere wichtige Maßnahmen, die Frauen selbst ergreifen können, sind gesunde Ernährung und Bewegung mit Muskelaufbau. Der Blutzucker wird stabilisiert, Herz und Leber werden geschützt und die Stoffwechselgesundheit gefördert.

Quelle

Prof. Dr. Julia Szendrödi. Menopause und Diabetes: medizinische Herausforderungen in den Wechseljahren. Kongress-Pressekonferenz der 19. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) „Diabetes und Frauengesundheit – Herausforderungen in allen Lebensphasen“.  7. November 2025, Mannheim und online.

Bildquelle: xartproduction – stock.adobe.com