Gar nicht so schlimm? Symptome beim Absetzen von Antidepressiva

Benommenheit, aber keine Stimmungsrückfälle: Eine Metaanalyse zu Symptomen nach einem Antidepressiva-Stopp ergab eher wenige und nur leichte Folgen.

Studien zu Absetzsymptomen

Grundsätzlich besteht eine gewisse Sorge um Absetzsymptome bei Antidepressiva, auch in verschiedenen Leitlinien. Welche Folgen in welcher Weise und Dauer dabei auftreten, ist jedoch nicht wirklich klar. Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse von 49 randomisierten klinischen Studien sollte klären, mit welchen Symptomen Patienten rechnen müssen, die ihre Einnahme von Antidepressiva beenden.

Zur Bewertung dienten standardisierte Skalen wie die Discontinuation Emergent Signs and Symptoms scale (DESS) sowie individuelle Erfahrungsberichte, etwa zu unerwünschten Ereignissen. In den Studien waren sowohl abruptes Absetzen als auch allmähliches Ausschleichen berücksichtigt. Zusätzliche Subgruppenanalysen sollten den Vergleich verschiedener Wirkstoffe ermöglichen.

Insgesamt vergleichsweise wenig Beschwerden

Im Vergleich zu Probanden, die ihr Antidepressivum weiterhin einnahmen oder ein Placebo absetzten, wiesen die Teilnehmer in den Verum-Absetzgruppen im Durchschnitt ein zusätzliches Symptom in Woche 1 auf. Damit blieben die Werte unter der Schwelle für ein klinisch signifikantes Abbruchsyndrom (mindestens vier DESS-Symptome). Die Effektstärke war gering bis moderat.

Symptome treten demzufolge hauptsächlich in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen auf. Am häufigsten stellte sich in diesem Zeitraum Benommenheit ein, gefolgt von Übelkeit, Schwindel und Nervosität. Besonders wichtig ist wohl das Ergebnis, dass der Abschied vom Antidepressivum nicht zu depressiven Verstimmungen führte, auch bei Menschen mit zuvor schwerer depressiver Störung. Das Absetzen war auch nicht mit Müdigkeit, Parästhesien, Tremor oder Schmerzen verbunden. Zudem bestand kein Zusammenhang zwischen der Therapiedauer und den Symptomen.

Besser ausschleichen

Die Auswertung bestätigte die These, dass ein abruptes Absetzen von Antidepressiva im Vergleich zum Ausschleichen mit einer höheren Rückfallrate bei Depressionen verbunden sein kann: Ein abruptes Absetzen führte in Woche 1 zu statistisch signifikanten Abbruchsymptomen.

Die Subgruppenanalyse zeigte signifikante Abbruchsymptome in Woche 1 nach Beendigung von Desvenlafaxin, Duloxetin und Vortioxetin. Die Inzidenz einzelner Abbruchsymptome in den ersten zwei Wochen variierte je nach Antidepressivum: Hier war (Des)venlafaxin mit den meisten Symptomen verbunden.

Umdenken erforderlich?

Die Studienautoren stellen die vorherrschenden Vorstellungen über eine hohe Inzidenz von Abbruchsymptomen und die daraus resultierende Einstellung zur Einnahme von Antidepressiva in Frage. Sie betonen, dass Placebo-kontrollierte Studien einer besseren Abschätzung der tatsächlichen Inzidenz von Abbruchsymptomen dienen. Es herrsche weiterhin Forschungsbedarf zu diesem Thema. Weitere Studien sollten die Abbruchsymptome insbesondere bei neuen und besonders häufig verwendete Substanzen untersuchen.

Quelle

Kalfas M, Tsapekos D, Butler M, et al. Incidence and Nature of Antidepressant Discontinuation Symptoms: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Psychiatry. Published online July 09, 2025. doi:10.1001/jamapsychiatry.2025.1362.

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