Kopfschmerztag 2025: CGRP-Therapien bei Migräne zu wenig genutzt

Moderne Migränetherapien werden zu wenig genutzt, lautet das Statement der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. Im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich des Kopfschmerztags 2025 fassten Experten die aktuelle Versorgungssituation in Deutschland zusammen und informierten über Defizite.

Ein Zehntel der Deutschen von Migräne betroffen

Etwa 10% der Bevölkerung in Deutschland leiden unter Migräne, wobei Frauen besonders oft betroffen sind. Bei Personen unter 50 Jahren gilt sie als die häufigste Beeinträchtigung, wodurch zentrale Lebensfragen in diesem Alter, beispielsweise in Bezug auf Karriere oder Familienplanung, enorm beeinträchtigt werden können, berichtete Priv.-Doz. Dr. med. Lars Neeb.

Deswegen ist es so wichtig, dass Migräne adäquat behandelt wird […].

Neue Therapien überzeugen in Real-World-Auswertungen

Mittlerweile stehen wirksame und gut verträgliche Medikamente zur Migräneprophylaxe zur Verfügung, nicht zuletzt durch Einführung der CGRP(Calcitonin Gene-Related Peptide)-Antikörper. Sie sind indiziert bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat. Seit Anfang 2025 existieren mit den oralen CGRP-Rezeptorantagonisten weitere erfolgsversprechende Therapieoptionen zur Prophylaxe und Akutbehandlung. Für diese neuen Therapien liegen mittlerweile vielversprechende Real-World-Daten mit Responder-Raten von etwa 70% vor, erläuterte Neeb.

In der Head-to-head-Studie APRAISE konnte der CGRP-Rezeptor-Antikörper Erenumab die Migränetage bei Patienten mit episodischer Migräne sechsmal häufiger um mindestens 50% reduzieren als herkömmliche, unspezifische Prophylaktika. Diese Studienergebnisse haben zu einer Anpassung der Erstattungsfähigkeit und einer signifikanten Verordnungssteigerung des Antikörpers geführt.

Ernüchternde Versorgungsrealität

Trotz der vielversprechenden Daten sieht die Versorgungsrealität häufig anders aus, erläuterte Prof. Dr. med. Gudrun Goßrau. So erhalten viele Menschen moderne Migränemittel häufig erst zu einem späten Zeitpunkt und bei starker Chronifizierung. Das zeigt auch eine Datenauswertung von 1720 Patienten aus dem Kopfschmerzregister der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG): Hier hatten Personen mit CGRP-basierten Therapien häufiger ungenügend wirksame oder nicht verträgliche Vortherapien durchlaufen, litten unter längerer Krankheitsdauer und hatte häufiger chronische Migräne als Patienten mit unspezifischen oralen Prophylaktika.

Das liege mitunter an den kassenärztlichen Vorgaben für die Verordnung und Kostenrestriktionen von CGRP-Therapien, kritisiert die DMKG. Dabei müsse jedoch beachtet werden, dass eine verzögerte Behandlung zu höherer Krankheitslast und somit indirekt zu steigenden Gesundheitskosten sowie gesellschaftlichen Kosten, beispielsweise durch Berufsunfähigkeit, führt. Goßrau schlussfolgerte:

Die Diskussion darf sich nicht nur kurzfristig auf Arzneimittelkosten beschränken, sondern muss die Gesamtkosten der Erkrankung bei den vorrangig berufstätigen Patientinnen und Patienten berücksichtigen.

Frühzeitiger, patientenzentrierter Einsatz

Insgesamt fordert die DMKG einen frühzeitigen Einsatz der CGRP-Therapien, um eine Chronifizierung der Erkrankung und damit einhergehende Kosten zu vermeiden. Nur so könne die Versorgungslücke in der Migräneprophylaxe langfristig geschlossen werden.

Quelle

Priv.-Doz. Dr. med. Lars Neeb, Präsident der DMKG, und Dr. med. Gudrun Goßrau, Generalsekretärin der DMKG. Online-Pressekonferenz der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) am 04.09.2025 anlässlich des Kopfschmerztags 2025.

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