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Frauenkrankheit Migräne?

Migräne gilt häufig als Frauenkrankheit. „Was mache ich mit den Männern?“ sollte beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2025 geklärt werden. Dr. Katja Heinze-Kuhn, Kiel, bestätigte zwar, dass Frauen häufiger und oft auch stärker betroffen sind, mahnte aber an, die Männer nicht zu vergessen.

Männer leiden doppelt

14,8 % der Frauen und 6,0 % der Männer leiden an Migräne. Insbesondere in den mittleren Lebensjahren liegt die Erkrankung bei Frauen deutlich häufiger vor, bei Kindern und sehr alten Patienten ist der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Betroffenen sehr viel geringer. Ein Grund ist, dass weibliche Sexualhormone die Migräne ungünstig beeinflussen.

Ich würde es spannend finden, mich dem Thema Migräne und Männer einmal ganz anders zu nähern, nämlich von linguistischer Seite.

Schmerz ist beispielsweise im Deutschen männlich, im Französischen weiblich und im Griechischen sächlich – rein linguistisch gesehen gebe es somit keine Zuordnung zu einem Geschlecht, erklärte Heinze-Kuhn. So sei bekanntermaßen auch die allgemeine Erfahrung, dass Schmerz ein universelles Empfinden ist, was unabhängig vom Geschlecht auftreten kann. Die Migräne ist im Gegensatz dazu in den meisten Sprachen weiblich.

Das könne dazu führen, dass Männer doppelt leiden, so Heinze-Kuhn – an den wiederkehrenden Kopfschmerzattacken und unter der Stigmatisierung, an einer „Frauenkrankheit“ zu leiden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten …

… im Erkrankungsbild

Frauen haben oft einseitige, starke, lange Attacken und das Vollbild der Begleitsymptome, also eine „typische“ Migräne. Bei Männern sind die Schmerzen oft weniger intensiv und Begleitsymptome seltener. Letztere behandeln sich daher häufiger selbst mit Schmerzmitteln, gehen seltener zum Arzt, werden seltener diagnostiziert und haben seltener eine migränebedingte Behinderung.

Ein erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, ischämischen Schlaganfall oder Herzinfarkt haben beide Geschlechter gleichermaßen.

… in der Therapie

Die Leitlinie ist genderneutral. Allerdings ist die Studienlage im Gegensatz zu den meisten anderen Indikationen nicht männlich, sondern weiblich geprägt. Etwa 80% der Studienteilnehmer sind Frauen.

Überspitzt gesagt, gibt es keine überzeugende Evidenz für die Wirkung irgendeiner Migränetherapie bei Männern.

Eine Studie zeigt zumindest, dass CGRP-Antikörper zur Prophylaxe auch bei Männern wirksam sind, wenn auch weniger stark als bei Frauen, während die Gepante in der Akuttherapie keine signifikante Wirkung zeigten.

Heinze-Kuhn geht davon aus, dass diese bei Männern auch wirken, wie unter anderem auch die Triptane, dass aber möglicherweise Männer höhere Dosierungen benötigten. Dazu gibt es bislang jedoch keine Untersuchungen.

Männer können auch Migräne haben und schrecklich darunter leiden.

Heinze-Kuhn riet am Ende, daran zu denken, dass Männer seltener das typische Bild der Migräne erfüllen, die Komorbidität im Blick zu behalten, gegebenenfalls bei der Therapie die Dosisfrage zu stellen, also kurzum, die Männer in der Migränetherapie nicht zu vergessen.

Quelle

Dr. Katja Heinze-Kuhn, Kiel. Jenseits des Üblichen in der Migräneprophylaxe – Was mache ich mit den Männern? Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2025. 13. bis 15. März 2025, Frankfurt.

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