Glatirameracetat gehört zu den Standardtherapien bei multipler Sklerose (MS). Neue Erkenntnisse legen nahe, dass mit einem einfachen Gentest die Patienten bestimmt werden können, die besonders gut auf das Arzneimittel ansprechen.
Glatirameracetat oder Interferon-beta?
Glatirameracetat (GA) wird wie Interferon-beta häufig für die Behandlung von Patienten, die erstmals die Diagnose multiple Sklerose erhalten, eingesetzt. Die Therapie kann als wiederholte therapeutische Impfung betrachtet werden, die eine Vielzahl von Immunreaktionen hervorruft, wobei der genaue Wirkungsmechanismus von Glatirameracetat nicht bekannt ist.
Welcher der beiden Wirkstoffe zum Einsatz kommt, ließ sich bisher nicht anhand definierter Patientendaten entscheiden. Das könnte sich nun ändern – dank einer aktuellen Studie unter Federführung einer Münsteraner Arbeitsgruppe rund um Studienleiter Prof. Dr. Nicholas Schwab. Das verkündete die Universität Münster in einer Pressemitteilung.
Bisher konnte man für die Entscheidung quasi eine Münze werfen: Beide Präparate gelten als etablierte Basistherapien.
Gentest für besseres Ansprechen
In der internationalen Studie wurden Proben von 3021 Patienten untersucht. Zunächst 1627 Patienten, von denen 204 vorab mit Glatirameracetat behandelt worden waren, anschließend validiert bei 1394 Patienten, von denen 424 vorab mit Glatirameracetat behandelt worden waren.
Analysiert wurde T-Zell-Rezeptor-Sequenz, wobei bestimmte T-Zell-Rezeptor-Varianten, die mit einer Glatirameracetat-Therapie assoziiert sind, nur bei Patienten nachgewiesen werden konnten, die bestimmte HLA-Varianten aufwiesen (Humanes Leukozytenantigen, HL-Antigene), nämlich die Varianten HLA-A*03:01 oder HLA-DRB1*15:01.
Für eine anschließende Analyse wurden klinische Daten von 1987 MS-Patienten aus internationalen Studienkohorten verwendet, die mit Glatirameracetat oder Interferon-beta behandelt wurden, für die Daten zum HLA-Status vorlagen.
Wirklich von der Therapie profitiert haben dann allerdings nur Patienten mit der Genvariante HLA-A*03:01. Sie zeigten unter Therapie mit GA signifikant weniger Krankheitssymptome als bei Behandlung mit Interferon.
Unsere Studie zeigt zum ersten Mal, dass ein genetischer Marker mit dem Behandlungserfolg eines MS-Medikaments verknüpft ist. Damit lässt sich vor Therapiebeginn vorhersagen, ob Glatirameracetat oder Interferon die wahrscheinlich bessere Wahl ist.
Sofortiger Eingang in den Klinikalltag denkbar
Theoretisch könnte dies schon in der Therapieplanung berücksichtig werden, da entsprechende HLA-Tests bereits verfügbar sind. Die HLA-Typisierung kommt nämlich bereits zum Einsatz – zum Beispiel vor Transplantationen, um die Kompatibilität mit Spendergewebe zu überprüfen.
Zukünftige Studien müssen zudem zeigen, ob Glatirameracetat bei den Trägern von HLA-A*03:01 auch anderen Arzneimitteln als Interferon überlegen sein könnte.
Quelle
Zhang BC, et al. HLA-A*03:01 as predictive genetic biomarker for glatiramer acetate treatment response in multiple sclerosis: a retrospective cohort analysis. eBioMedicine 2025;118:105873; Published Online 31 July. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2025.105873.
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