Bewegung und Ernährung sind wichtige Themen für Patientinnen nach einer Brustkrebserkrankung. In der Sitzung „Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll“ auf dem 44. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie Ende Juni 2025 fassten Experten aktuelle Erkenntnisse zusammen.
Warum Bewegung das beste Supplement ist
Das beste „Supplement“ mit einer „Soll“-Empfehlung in der S3-Leitlinie Komplementärmedizin – und wahrscheinlich auch das günstigste – ist Prof. Dr. med. Volker Hanf, Nürnberg/Fürth, zufolge Bewegung. Um Patientinnen nach einer Krebserkrankung zu mehr körperlicher Aktivität zu animieren, solle man jedoch nicht von „Sport“ sprechen.
Benutzen Sie nicht das S-Wort. Es ist wissenschaftlich erwiesen: Das ist abturning.
Die Datenlage ist gut, bestätigte Dr. med. Anke Kleine-Tebbe, Berlin. Körperliche Aktivität fördert nicht nur Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer, sondern auch das Wohlbefinden. Den Krebs beeinflusst körperliche Aktivität über mehrere Mechanismen, darunter eine Senkung des Östrogenspiegels und Verbesserung der Insulinsensitivität, was wiederum Zellproliferation und Tumorwachstum reduzieren kann. Zudem werden die Immunüberwachung gefördert und chronische Entzündungsmechanismen heruntergefahren.
Eine moderate oder hohe Evidenz gibt es für die Reduktion von Fatigue, Depression und Ängstlichkeit, die Verbesserung von Fitness, Schlaf- und Lebensqualität sowie sekundären Lymphödemen und kognitiven Funktionen bis hin zur Senkung des Rezidivrisikos. Eine S3-Leitlinie zur Bewegungstherapie ist derzeit in Arbeit, die Veröffentlichung für Ende 2025/Anfang 2026 geplant.
Empfohlen werden 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Aktivität pro Woche, die durch ein Krafttraining zweimal pro Woche ergänzt werden sollen. Individuelle Anpassungen sollten je nach Krankheitsphase und Nebenwirkungen erfolgen. Motivationshilfe können Apps, Trainingstagebücher oder Tracker, aber auch Laufevents und Sportgruppen bieten.
Wir müssen die Empfehlung jeder Frau nach Brustkrebs mitgeben.
Ernährung: Was gibt es Neues?
Auf Social Media tummeln sich zahlreiche selbsternannte „Ernährungsprofis“. Doch was hilft wirklich? Prof. Dr. Marin Smollich, Lübeck, fasste die wichtigsten aktuellen Fakten zusammen.
Akuttherapie
Antioxidanzien können die Wirksamkeit einer Strahlentherapie negativ beeinflussen. Komplett zu vermeiden sind Resveratrol, Grüntee-Extrakt und Glutathion. Für Vitamin A, C und E, Betacarotin, Coenzym Q10 und Selen sollen die Zufuhrempfehlungen nicht überschritten werden.
Eine Low-Carb-Ernährung kann die Wundheilung verschlechtern. Vor einer Operation sollte daher eine protein- und kohlenhydratreiche Ernährung bevorzugt werden. Hier können außerdem Betacarotin, Vitamin A und C sowie Zink supplementiert werden.
Ein optimierter Vitamin-D-Status vor Beginn der Chemotherapie (75–125 nmol/l) kann die Krebssterblichkeit, die Komplikationsrate und Fatigue senken. Die Optimierung des Selen-Status (60–150 µg/l) kann die kardiotoxischen Folgen einer Chemotherapie reduzieren. Selen sollte jedoch nicht überdosiert werden. Smollich empfiehlt: Die Einnahme von Selen sollte nicht ohne vorherige Spiegelbestimmung erfolgen.
Auch bei der Chemotherapie gelte es, mit Antioxidanzien vorsichtig zu sein. Für Chemotherapie-induzierte Beschwerden sollten Patienten eine individuelle und professionelle Ernährungsberatung aufsuchen. Relevante Wechselwirkungen gibt es mit Grapefruit/Pomelo, Curcumin, Johanniskraut und Mariendistel.
Rezidivprophylaxe
Bei endokriner Therapie sollte auf eine knochengesunde Ernährung (plus Bewegung) geachtet werden. Die Ernährung sollte proteinreich sein – es muss aber nicht Fleisch sein.
Proteinpulver sind bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen besser aufgehoben als bei sechszehnjährigen Jungs.
Neben dem Vitamin-D-Status (75–125 nmol/l) sollte der Calcium-Status (1–2 g/Tag) optimiert werden. Für Calcium gilt es allerdings, die Interaktion mit oralen Bisphosphonaten und – bei Gaben > 2,4 g/Tag – das erhöhte kardiovaskuläre Risiko zu beachten.
Für eine Soja-reiche Ernährung seien die Daten neutral bis positiv, sagte Smollich.
Grundsätzlich gibt es für eine wirksame Rezidivprophylaxe keine überlegene Diätform. Wichtig ist:
- Gesundes Körpergewicht
- Optimale Dauerernährung (abwechslungsreich, nährstoffdicht, pflanzenbasiert)
- Optimale Versorgung mit Mikronährstoffen
- Hohe Fettqualität (wichtiger als Fettreduktion)
- Alkohol vermeiden
- Genuss
Es darf Smollich zufolge nicht vergessen werden:
Essen ist mehr als Nährstoffzufuhr.
Gesundes Körpergewicht hilft bei Rezidivprophylaxe
Zentral ist das Vermeiden von Übergewicht bzw. der Abbau von Adipositas. Viele Patientinnen nehmen unter endokriner Therapie ungewollt zu. Diese Gewichtszunahme gilt jedoch als negativer prognostischer Faktor, zum einen für die Gesamt- und Brustkrebssterblichkeit sowie für Rezidive, zum anderen für Nebenwirkungen und Lebensqualität. Helfen kann eine zertifizierte Ernährungstherapie. Auch DiGA wie der PINK! Coach stehen zur Verfügung. Semaglutid und Tirzepatid hingegen seien mit hohen Kosten und Muskelmasseverlust verbunden.
Quelle
44. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie. Wissenschaftliche Sitzung „Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll“, 27. Juni 2025, Stuttgart.
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