Subklinische Hypothyreose im Alter: behandeln oder warten?

Ob eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion im Alter therapiert werden sollte, ist umstritten. Die Autoren einer aktuellen Übersichtsarbeit nahmen sich der Thematik an und legen bei leicht erhöhten TSH-Werten ein abwartendes Vorgehen nahe.

Referenzwerte altersabhängig

Die subklinische oder latente Hypothyreose zeichnet sich durch erhöhte Serum-Werte des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH), aber Normwerte des freien Thyroxins (fT4) aus. Der erhöhte TSH-Wert wird dabei in Abhängigkeit des Patientenalters identifiziert, denn der physiologische Anstieg im Alter gilt als belegt. Nach Angaben der S2k-Leitlinie „Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis“ gelten für die verschiedenen Altersgruppen folgende TSH-Werte als erhöht:

  • 18 bis 70 Jahre: TSH-Wert > 4,0 mU/l
  • 71 bis 80 Jahre: TSH-Wert > 5,0 mU/l
  • über 80 Jahre:  TSH-Wert > 6,0 mU/l

Im Gegensatz zur manifesten Hypothyreose wird die Substitutionsnotwendigkeit bei latenter Hypothyreose kontrovers diskutiert. Die Datenlage sei uneinheitlich, lautet es in der AWMF-Leitlinie. Insbesondere bei älteren Patienten sei zu prüfen, ob die Therapie einen Vorteil für den Patienten bringt. In einer aktuellen Übersichtsarbeit wurde die Thematik erneut unter die Lupe genommen.

Die Grenze verschwimmt

Bezüglich der Einordnung einer Hypothyreose weisen die Autoren der Übersichtsarbeit zunächst daraufhin, dass die empfindlichen TSH-Werte zahlreichen Einflussfaktoren unterlegen sind. Dazu gehören Tages- und Jahreszeit, Krankheit, Stress, Medikation, Alter, Geschlecht, aber auch genetische Faktoren. Auch die geographisch unterschiedliche Jodversorgung spielt eine Rolle. Das gestaltet die Bestimmung von Grenzwerten insgesamt schwierig. Darüber hinaus geben die Autoren an, dass eine Levothyroxin-Substitutionstherapie bei älteren Patienten mit milder subklinischer Hypothyreose (TSH 4–10 mU/l) Studien zufolge in vielen Fällen keine signifikanten klinischen Effekte hatte. Stattdessen kamen Autoren eines Reviews aus 2008 bereits zu der Schlussfolgerung, dass über 20% der Patienten mit subklinischer Hypothyreose übertherapiert werden, was insbesondere bei Älteren nachteilige Effekte wie die Thyreotoxikose haben kann.

Abwartendes Vorgehen empfohlen

Basierend auf der aktuellen Evidenz kommen die Autoren der Übersichtsarbeit zu dem Ergebnis, dass die Therapie milder subklinischer Hypothyreose bei Älteren hinsichtlich des Outcomes keinen deutlichen Unterschied macht. Daher sprechen sich die Autoren bei Patienten ab 65 Jahren und TSH-Werten zwischen 4 und 10 mU/l für ein abwartendes Vorgehen unter Berücksichtigung altersbereinigter TSH-Werte (French Endocrine Society method, Kasten) aus. Dieses Vorgehen unterscheidet sich von der S2k-Leitlinie: Hier wird für asymptomatische Patienten mit TSH-Werten ≤ 10 mU/l prinzipiell keine Substitution empfohlen, unabhängig des Alters.

French Endocrine Society method

Die French Endocrine Society stellte 2019 einen neuen Ansatz zur personalisierten Diagnose und Therapie von Schilddrüsenfunktionsstörungen vor. Um einen altersadjustierten TSH-Grenzwert zu bestimmen, sollte demnach das Patientenalter durch 10 geteilt werden.

 

Quelle

Xu R, et al. Most elderly patients with subclinical hypothyroidism do not need to be treated. Cleve Clin J Med 2025;92:221–31. doi: 10.3949/ccjm.92a.24098.

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