Faktoren für den Therapieerfolg: Wer spricht auf SSRI an?

Ob ein Patient auf ein Antidepressivum anspricht, lässt sich vor Beginn der Therapie häufig nicht zuverlässig sagen. In einer Studie aus England wurde untersucht, welche soziodemografischen, klinischen und genetischen Faktoren das Ansprechen auf Serotonin-Wiederaufnahmehemmer beeinflussen.

Geringe Remissionsrate

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind Mittel der ersten Wahl bei Menschen mit Major Depression (MDD). Dennoch erreichen nur etwa 35 % der Patienten nach einer initialen Therapie eine Remission.

Im Rahmen des 2022 durchgeführten UK Biobank Mental Health Questionnaire 2 wurden die Teilnehmenden anhand eines Fragebogens unter anderem zu ihrem Ansprechen auf eine mögliche medikamentöse Behandlung befragt. Die dort generierten Daten nutzten die Studienautoren, um Parameter zu identifizieren, die auf die Wirkung von SSRI Einfluss haben. Dafür suchten sie nach Personen mit mindestens einem von zwei Leitsymptomen einer unipolaren MDD. Diese teilten sie in zwei Gruppen: Eine Gruppe umfasste Teilnehmende, die über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen ein SSRI (Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin oder Sertralin) eingenommen hatten, die andere bestand aus Personen, die keine entsprechende Medikation erhalten hatten.

Selbstberichtetes Therapieansprechen deutlich größer

Von den SSRI-Anwendern gaben 79,6 % an, dass sie sich durch die Einnahme besser fühlen. Die meisten positiven Antworten gab es unter Citalopram-Einnahme (82,8 %), die wenigsten unter Paroxetin (76,8 %).

Soziodemografisch waren Alkohol- und illegaler Drogenkonsum, männliches Geschlecht, Herkunft aus einer benachteiligten Wohngegend, positiver Raucherstatus, geringes Einkommen und eine gemischte ethnische Zugehörigkeit mit der größten Effektgröße für ein Nichtansprechen auf SSRI verbunden.

Als klinische Gründe für ein Nichtansprechen konnten ein höheres Alter bei der ersten Erkrankungsepisode, mehrere Episoden, eine Dauer der schlimmsten Episode von über zwei Jahren, keine Stimmungsaufhellung während der schlimmsten Episode, Schwierigkeiten mit Rückweisung umzugehen, das Gefühl von schweren Gliedmaßen, Wertlosigkeit und Gedanken an den Tod beobachtet werden.

Genetisch zeigte sich ein Poor-Metabolizer-Status von CYP2C19 als Prädiktor für ein Nichtansprechen auf SSRI. Arzneimittelspezifisch sprachen Intermediate-Metabolizer schlechter auf Fluoxetin an und Ultra-Rapid-Metabolizer auf Paroxetin. Für Citalopram und Sertralin konnten keine Assoziationen festgestellt werden. Alle beobachteten Assoziationen konnten jedoch durch Testkorrekturen nicht bestätigt werden.

Die Autoren merken an, dass diese Beobachtung widersprüchlich zu früheren Studienergebnissen ist, in denen Citalopram und Sertralin eine größere Wirkung bei Poor-Metabolizern zeigten. Sie vermuten, dass die breiten therapeutischen Fenster der Wirkstoffe den Einfluss von CYP2C19-Polymorphismen auf das Therapieansprechen relativieren und die Wirksamkeit durch weitere CYP-Polymorphismen beeinflusst wird. Auch das Design klinischer Studien könnte zu diesem Unterschied beitragen, da bei Poor-Metabolizern häufiger unerwünschte Wirkungen auftreten und diese daher möglicherweise die Behandlung abbrechen und nicht in die Auswertung eingeschlossen würden.

Auch wenn in der Untersuchungen einige Parameter identifiziert werden konnten, die das Therapieansprechen auf SSRI modifizieren, muss berücksichtigt werden, dass es sich um Selbstberichte der Teilnehmer handelt und weitere unspezifische Faktoren weiteren Einfluss haben könnten.

Quelle

Kamp M, et al. Sociodemographic, clinical, and genetic factors associated with self-reported antidepressant response outcomes in the UK Biobank. Psychol Med 2025 Mar 12;55:e80. doi: 10.1017/S0033291725000388.

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