Ende der Durststrecke für Patienten mit Herzinsuffizienz

Nur wenig trinken, lautet der ärztliche Rat für viele Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz. Eine ziemliche Einschränkung der Lebensqualität und scheinbar gar nicht notwendig, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Gängige Empfehlung trotz unklarer Datenlage

Hinter der oft empfohlenen Flüssigkeitsrestriktion zur Symptomminderung stehen nur wenige randomisierte klinische Studien. Die Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) und der American College of Cardiology/American Heart Association (ACC/AHA) formulieren hierzu daher nur sehr allgemeine Empfehlungen.

In der aktuellen Nationalen VersorgungsLeitlinie (pdf) steht hingegen:

Die Aussagekraft einer in systematischer Recherche identifizierten Evidenz zum Einfluss von Salz- und/oder Flüssigkeitsrestriktion auf klinische Endpunkte bei chronischer Herzinsuffizienz ist begrenzt, da die Studien sehr heterogen und ihre Ergebnisse widersprüchlich sind. In Metaanalysen scheint eine Flüssigkeitsrestriktion nicht mit vorteilhaften Effekten verbunden zu sein […]. Nach Erfahrung der Leitliniengruppe ist lediglich eine „exzessive“ Aufnahme von Flüssigkeit (ca. > 3 Liter) ungünstig.“

Direkter Vergleich

In der aktuellen Studie FRESH-UP gab es für rund 500 ambulant behandelte Patienten mit leichten bis mittelschweren Herzinsuffizienzsymptomen (NYHA Grad II und III) eine standardisierte Lebensstilberatung: Eine Gruppe erhielt liberale Empfehlungen zur Trinkmenge, die andere sollte maximal 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag aufnehmen, 60 bis 75 % der üblichen Menge.

Nach drei Monaten schauten die Forscher auf den Gesundheitszustand. Diesen bewerteten sie anhand des gängigen Tools zur Messung der Lebensqualität von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, dem Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire Overall Summary Score (KCCQ-OSS). Zudem analysierten sie die Durstbelastung mittels einer Skala (Thirst Distress Scale for patients with HF, TDS-HF) sowie Sicherheitsaspekte anhand der Ereignisse Tod, Hospitalisation und Notwendigkeit einer intravenösen Diuretikabehandlung.

Keine Nachteile, mehr Wohlbefinden

Die selbstberichtete tägliche Flüssigkeitsaufnahme ergab ohne Limit eine um durchschnittlich etwa 280 ml höhere Menge pro Tag. Die Lebensqualität war bei diesen Patienten signifikant höher (KCCQ-OSS 74,0 versus 72,2). Der Anteil der Teilnehmer mit klinisch bedeutsamen Veränderungen im KCCQ-OSS (Anstieg oder Rückgang um mindestens fünf Punkte) war in den beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich.

Das empfundene Durstgefühl war signifikant geringer bei denen, die uneingeschränkt trinken durften (TDS-HF 16,9 versus 18,6). Bezüglich der Sicherheit ergaben sich insgesamt keine signifikanten Unterschiede. Akute Nierenschäden traten bei drei (1,2 %) bzw. vier (1,6 %) Patienten auf. Es gab keine Hinweise auf eine Schädigung durch erhöhte Flüssigkeitsaufnahme in Bezug auf Sicherheitsereignisse, Serum-Biomarker oder veränderter Medikation.

Empfehlungen überdenken

Die Flüssigkeitsrestriktion ist eine tägliche Belastung für Patienten und erfordert zudem eine ständige Messung und Beschäftigung mit der Trinkmenge und der Erkrankung. Von einer tendenziell hohen Non-Compliance ist überdies in der Praxis auszugehen. Angesichts der eher theoretisch begründeten Risiken muss diese Einschränkung möglicherweise zugunsten der Lebensqualität nicht mehr erfolgen.

Anders verhält es sich bei Patienten mit instabiler Herzinsuffizienz oder Hyponatriämie sowie hospitalisierten Patienten. Sie waren nicht in die Untersuchung integriert. Hierzu können daher zur Sicherheit keine Aussagen gemacht werden.

Quelle

Herrmann JJ, Brunner-La Rocca HP, Baltussen LEHJM, et al. Liberal fluid intake versus fluid restriction in chronic heart failure: a randomized clinical trial. Nat Med 2025. https://doi.org/10.1038/s41591-025-03628-4 (Zugriff am 10.04.2025).

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