Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) sind mittlerweile bei einigen Indikationen als Bestandteil einer Therapie verfügbar und auch verordnungsfähig. Welche DiGAs in die Schmerztherapie Einzug gehalten haben, wurde beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2025 vorgestellt.
DiGA-Verzeichnis des BfArM
DiGAs sind CE-gekennzeichnete Medizinprodukte, die mithilfe von digitalen Technologien die Erkennung, Überwachung, Behandlung und Linderung von Krankheiten unterstützen, erläuterte Dr. Elif D. Cindik-Herbrüggen, München. Diese werden vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft und bei positivem Ergebnis vorläufig oder dauerhaft in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen – bislang sind dies knapp 70 Stück. Diese können dann auch auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden. Eine Übersicht über die zugelassenen DiGAs findet sich auf der Homepage des BfArM.
DiGAs bei Schmerzerkrankungen sind
- Companion Patella bei Knieschmerzen
- eCovery bei Schmerzen im unteren Rücken (vorläufig vom BfArM positiv beschieden)
- Endo-App bei Endometriose
- HelloBetter bei chronischen Schmerzen
- Kaia Rückenschmerzen – Rückentraining für Zuhause (aktuell sind in der App 140 Übungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden mit Motion Control verfügbar, das heißt: Patienten können sich beim Trainieren vom Handy filmen lassen und erhalten direkt Feedback, wenn sie die Übung nicht korrekt durchführen)
- Selfapys Online-Kurs bei chronischen Schmerzen (vorläufig vom BfArM positiv beschieden)
- sinCephaIea für die Migräneprophylaxe (vorläufig vom BfArM positiv beschieden)
- ViViRA bei nichtspezifischen Kreuzschmerzen und Arthrose der Wirbelsäule
Versorgungslücken schließen
Chronische Schmerzen schränken die berufliche Leistungsfähigkeit, das Sozialleben und die Lebensqualität ein, betonte Cindik-Herbrüggen. Soziale Isolation sei ein häufiges daraus folgendes Phänomen, so die Psychiaterin weiter. Gleichzeitig sind Therapieplätze oft knapp. Hier können die DiGAs helfen, Versorgungslücken zu schließen, die Wartezeit auf Therapieplätze zu überbrücken oder bestehende Therapien sinnvoll zu ergänzen.
Bitte Patienten mit DiGA nicht alleine lassen!
Wichtig sei aber, den Einsatz der DiGA zu begleiten, damit die Verordnung überhaupt eingelöst und dann auch wirklich angewendet wird. Cindik-Herbrüggen berichtete zudem, dass die meisten Patienten Unterstützung brauchen, sie aber das Vorurteil, dass älteren Menschen das technische Verständnis für die DiGAs fehle, nicht bestätigen könne.
Mehrwert für Ärzte und Patienten
Allgemein – nicht nur bei den Anwendungen in der Schmerzmedizin – sind die Vorteile der terminungebundene, flexible Einsatz und das eigenverantwortliche Vorgehen. Cindik-Herbrüggen berichtete außerdem, dass sie viel Psychoedukation sozusagen „in die DiGA outsourcen“ könne und so bei den therapeutischen Sitzungen mehr Zeit habe, um über die Übungen zu reden. Das fördere die Therapiemotivation und verbessere die Beziehung zum Patienten. Überdies habe sie so Zugang zu sehr „zugeknöpften Patienten“ bekommen, die sich Face-to-Face nicht auf die Therapie einlassen konnten, „zuhause im stillen Kämmerlein“ dann aber schon. Da könne auch der niederschwellige, anonyme Zugang hilfreich sein.
Wenn das gut funktioniert, ist das eine Win-Win-Situation.
Als vorteilhaft bewertet Cindik-Herbrüggen außerdem, wenn die Anwendungen nicht zu trocken gestaltet sind, sondern Gaming-Elemente enthalten und positives Feedback geben. Dies erhöhe die Akzeptanz bei den Patienten.
Quellen
Dr. Elif D. Cindik-Herbrüggen, München. DiGAs in der Schmerzmedizin: Welche funktionieren wirklich? Chancen, Perspektiven, Herausforderungen. Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2025. 13. bis 15. März 2025, Frankfurt.
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