Eine frühzeitige Psychotherapie bei subklinischen depressiven Symptomen kann die Entstehung schwerer Depressionen um bis zu 43 % reduzieren, so die Ergebnisse einer Metaanalyse.
Major Depression weltweit steigend
Die globale Prävalenz der Major Depression (MDD), die zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählt, ist in den letzten 20 Jahren gestiegen. Oft haben die zahlreichen etablierten Erstlinientherapien, darunter Pharmakotherapie, Psychotherapie oder auch digitale Interventionen keine ausreichenden Effekte. Für eine Senkung der globalen Krankheitslast kann die Therapie früher depressiver Symptome, die bisher nicht das Ausmaß einer MDD haben, hilfreich sein. Dieser Zustand betrifft laut einer Publikation aus 2023 etwa 11% der Bevölkerung. Die Erfolgsquote einer frühen psychologischen Intervention bei bestehender subklinischer Depression wurde in einer aktuellen Metaanalyse untersucht.
Risikosenkung hielt zwölf Monate an
Für die Metaanalyse wurden Daten aus 30 randomisierten Studien der Metapsy Research Domain mit insgesamt 7201 Patienten mit subklinischen depressiven Symptomen eingeschlossen. Davon erhielt die Hälfte der Teilnehmer eine psychologische Intervention, während die andere Hälfte einer Kontrollgruppe zugeordnet war. Knapp 69% der Teilnehmer waren weiblich und das mittlere Alter betrug 49,9 Jahre. Eingeschlossene psychologische Interventionen umfassten beispielsweise kognitive Verhaltenstherapie, Problemlösetraining oder Verhaltensaktivierung. Die meisten davon wurden in einem persönlichen Gespräch vor Ort durchgeführt, einige aber auch digital. Die mittlere Dauer der Interventionen lag bei 13,3 Wochen. Als primärer Endpunkt galt die Steigerung der depressiven Symptomatik zur MDD nach der Therapie, sowie nach einem Follow-up von sechs, zwölf und 24 Monaten. Es wurden nur Studien eingeschlossen, deren Ergebnisse durch diagnostische Interviews erhoben wurden und nicht durch Selbstauskünfte der Patienten.
Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte die MDD-Inzidenz durch die Anwendung psychologischer Interventionen um 43% reduziert werden (18 Studien). Sechs (18 Studien) bzw. zwölf Monate (19 Studien) später lag die Reduktion bei 42% bzw. 33%. Dabei waren die präventiven Effekte stärker, wenn die Patienten zuvor keine Erfahrungen mit Psychotherapie hatten (Inzidenzratenverhältnis 0,39 vs. 0,92). Nach 24 Monaten konnte kein signifikanter Effekt mehr nachgewiesen werden.
Präventive Therapien nutzen
Den Studienergebnissen zufolge stellen frühzeitige Psychotherapien eine erfolgreiche Präventionsmaßnahme zum Verhindern schwerer Depressionen dar, wenn bereits depressive Symptome geringeren Ausmaßes vorliegen. Dabei scheint die Erfolgsquote erhöht zu sein, wenn die Patienten sich zuvor noch keiner Psychotherapie unterzogen hatten.
Die Qualität der Studienergebnisse ordnen die Autoren im Allgemeinen als zufriedenstellend ein. Für 5 der 30 eingeschlossenen Studien erklärten die Autoren eine hohe Verzerrung.
Quelle
Buntrock C, et al.; IPD-PrevDep Consortium. Psychological interventions to prevent the onset of major depression in adults: a systematic review and individual participant data meta-analysis. Lancet Psychiatry 2024;11:990–1001.
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