Patienten mit diastolischer Herzschwäche leiden unter Atemnot und verminderter Belastbarkeit. Für diese Indikation sind weniger Medikamente als für die systolische Herzinsuffizienz zugelassen. Ob ein gezieltes körperliches Training zusätzlich zur medikamentösen Therapie den Erkrankungsverlauf der Patienten verbessern kann, wurde nun in einer klinischen Studie untersucht.
Hoher Leidensdruck für Betroffene
In Deutschland leiden etwa vier Millionen Menschen an Herzinsuffizienz. Die häufigste Form ist die diastolische Herzschwäche (Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion; HFpEF). Hier ist zwar die Pumpkraft des Herzens erhalten, doch das Herzmuskelgewebe ist nicht mehr imstande, sich ausreichend zu entspannen und auszudehnen. Die Folge: Das Blut staut sich vor dem Herzen zurück in die Lunge, die Sauerstoffaufsättigung des Blutes wird gestört. Wie bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion sind Atemnot bei Belastung, manchmal auch in Ruhe, verminderte körperliche Leistungsfähigkeit sowie Ödeme in den Beinen typische Symptome.
Neben der Behandlung der Begleiterkrankungen werden zur Therapie Inhibitoren des Natrium-Glucose-Cotransporters 2 (SGLT-2) wie Empagliflozin oder Dapagliflozin empfohlen. Semaglutid und Finerenon zeigten sich ebenfalls wirksam, sind jedoch bislang nicht für diese Indikation zugelassen.
Um Lebensqualität und Überleben der Patienten zu verbessern, werden zudem Bewegungsprogramme mit regelmäßigem Ausdauertraining empfohlen. Nun untersuchte eine Gruppe des Deutschen Herzzentrums der Charité, der Universitätsmedizin Leipzig und der TUM Universitätsklinik München in einer multizentrischen, randomisierten Studie über zwölf Monate genauer, welchen Einfluss ein gezieltes körperliches Training auf den Verlauf der HFpEF-Erkrankung und die Lebensqualität der Patienten hat.
Wertvolle Ergänzung zur HFpEF-Behandlung
322 Patienten aus Deutschland und Österreich wurden 1:1 auf eine Gruppe mit einem kombinierten Ausdauer- und Widerstandstraining (ET) und eine Kontrollgruppe mit üblicher Behandlung (UC) randomisiert. Das Trainingsprogramm bestand aus einer Kombination von dreimal wöchentlichem Ausdauer- und Krafttraining unter Anleitung. Zu Beginn umfasste das Training 30 Minuten moderates Fahrradfahren, das über drei Monate schrittweise auf 60 Minuten gesteigert wurde. Nach vier Wochen wurde zusätzlich ein Krafttraining für die großen Muskelgruppen integriert.
Die Teilnehmer waren durchschnittlich 70 Jahre alt, 60 % waren weiblich. Zum Zeitpunkt der Rekrutierung wurden sie entsprechend den Leitlinien behandelt, und die Medikation musste mindestens vier Wochen lang stabil gewesen sein. Primärer Endpunkt war ein modifizierter Packer-Score, der verschiedene Parameter kombiniert, darunter Symptome, Belastbarkeit, Krankenhausaufenthalte und allgemeines Wohlbefinden. Des Weiteren wurden die NYHA-Klasse und die Spitzen-Sauerstoffaufnahme (VO₂) erfasst. Die Klassen der NYHA (New York Heart Association) reichen von I „keine Einschränkungen“ bis IV „starke Einschränkungen bei jeder körperlichen Aktivität“. Die VO₂ gibt an, wie viel Sauerstoff der Körper bei körperlicher Anstrengung aufnehmen kann.
Der primäre Endpunkt wurde nicht erreicht. Nach 12 Monaten zeigte sich beim modifizierten Packer-Score
- bei 33 ET-Patienten (21 %) und 13 UC-Patienten (8 %) eine Verbesserung sowie
- bei 69 ET-Patienten (43 %) und 71 UC-Patienten (44 %) eine Verschlechterung.
Allerdings ergaben sich klinisch relevante Unterschiede zugunsten der ET-Gruppe für die folgenden sekundären Endpunkte:
- Änderungen des Spitzen-VO2: mittlere Differenz 1,3 ml kg-1 min-1
- NYHA-Klasse: Odds Ratio 7,77
Im Mittel wurden die Patienten der Trainingsgruppe am Ende des Studienzeitraums einer höheren NYHA-Klasse zugerechnet. Das weist auf eine gesteigerte Belastbarkeit und eine höhere Lebensqualität hin. Für andere sekundäre Endpunkte, darunter die Zeit bis zum kardiovaskulär bedingten Krankenhausaufenthalt oder der Gesamtsterblichkeit, gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.
In einer Pressemitteilung bezeichnete Prof. Dr. med. Frank Edelmann, Berlin, die Ergebnisse als „ermutigend“:
Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein gezieltes Trainingsprogramm das Potenzial hat, die Belastbarkeit und Lebensqualität von HFpEF-Patienten zu verbessern.
Quellen
Edelmann F, et al. Combined endurance and resistance exercise training in heart failure with preserved ejection fraction: a randomized controlled trial. Nat Med 2025 Jan 2. doi: 10.1038/s41591-024-03342-7. Online ahead of print.
Pressemitteilung des Deutschen Herzzentrums der Charité vom 3. Januar 2025 „Ausdauersport bei Herzschwäche“
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