Immer mehr FSME-Fälle und -Risikogebiete, aber niedrige Impfquoten: In Deutschland sind vor allem ältere Menschen gefährdet.
Steigende Zahlen in Deutschland
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) tritt hierzulande immer häufiger auf. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurde im Jahr 2024 mit 686 Fällen der zweithöchste Stand – nach 2020 mit 718 FSME-Erkrankungen – seit Beginn der Aufzeichnungen 2001 erreicht (pdf). Das entspricht einer Zunahme von 44% gegenüber dem Vorjahr und fast dem Doppelten des jährlichen Medianwertes von 352 Erkrankungen.
Ein Grund dafür ist die zunehmende Verbreitung der FSME-übertragenden Zecken, insbesondere der Spezies Ixodes ricinus. Vor einigen Jahren noch hauptsächlich im Süden des Landes zu finden, sind mittlerweile 183 der deutschen Land- oder Stadtkreise als FSME-Risikogebiete eingestuft. Darunter nun auch Regionen in Niedersachsen (Landkreise Emsland und Celle) und Nordrhein-Westfalen (Stadtkreis Solingen).
Experten sind sich einig: 2025 wird wieder ein zeckenreiches Jahr. Denn bei Temperaturen ab 5 °C bleiben die Krabbeltiere ganzjährig aktiv und immer mehr überleben die Wintermonate. Erste FSME-Fälle wurden schon im Januar gemeldet.
Keine Medikation, nur Impfung möglich
Da FSME bisher als nicht heilbar gilt und es keine wirksame Arzneimitteltherapie gibt, bleibt nur die Impfung als Präventivmaßnahme. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt eine FSME-Impfung für Personen, die in Risikogebieten leben, arbeiten oder sich aus anderen Gründen hier aufhalten.
Für eine Impfeffektivität von 96,6% sind mindestens zwei, besser drei, Impfdosen erforderlich. Die erste Auffrischungsimpfung erfolgt nach drei Jahren; weitere je nach Altersgruppe und verwendetem Impfstoff nach drei bis fünf Jahren.
Infektionen meist bei Ungeimpften
Wie wichtig die Immunisierung ist, zeigt ein genauer Blick auf die dokumentierten FSME-Infektionen: 98% der Erkrankten von 2024 waren nicht oder unzureichend geimpft. Die Impfquoten sind selbst in ausgewiesenen Risikogebieten nach wie vor niedrig. Daten von 2022 zeigten Impfquoten von gerade einmal 22,1% in Bayern und 17,1% in Baden-Württemberg – mit rückläufiger Tendenz.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig sowohl eine Grundimmunisierung als auch Auffrischimpfungen sind. Zusätzlich können Schutzmaßnahmen wie geschlossene Kleidung, das Vermeiden von Unterholz und hohen Gräsern und das Verbleiben auf festen Wegen sowie die Anwendung von Repellentien wirksam sein. Sobald ein Zeckenbefall festgestellt wird, ist das Tier umgehend zu entfernen und die Wunde zu desinfizieren. Im Gegensatz zur Übertragung von Borreliose durch Zecken beginnt die Übertragung von FSME-Viren ohne Zeitversatz direkt mit dem Saugen der Zecke.
Senioren trotz hohem Risiko ungeimpft
Etwa 70 bis 95% der Infektionen verlaufen asymptomatisch. Es besteht jedoch die Gefahr für neurologische Manifestationen der FSME in Form von Meningitis, Enzephalitis und Myelitis. Die durchschnittliche FSME-Inzidenz steigt ab dem Alter von 40 Jahren deutlich an. Vor allem über 60-Jährige haben ein deutlich höheres Risiko für eine schwere Erkrankung. Ausreichend geimpft sind allerdings vor allem Kinder.
Quellen
Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 9/2025 “FSME-Risikogebiete in Deutschland”, Stand 27. Februar 2025. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/09_25.pdf?__blob=publicationFile&v=4.
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