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Häufig Begleiterkrankungen bei Endometriose

Frauen, die in jungen Jahren eine Endometriose-Diagnose erhalten, haben im späteren Leben öfter somatische Begleiterkrankungen als Frauen ohne eine solche Diagnose.

Weltweit häufige Erkrankung

Etwa 10% der Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter leiden an Endometriose, das sind rund 190 Millionen weltweit. In Deutschland wurde sie in den letzten Jahren vermehrt festgestellt. Dies liegt vermutlich nicht daran, dass sie häufiger auftritt, sondern dass das Bewusstsein für die Erkrankung gestiegen ist.

Bei der Erkrankung tritt gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle auf. Betroffene haben unter anderem mit starken immer wiederkehrenden Schmerzen zu kämpfen. Eine häufige Folge der Erkrankung ist Unfruchtbarkeit. Aktuelle Daten aus Finnland legen außerdem nahe, dass Frauen mit einer frühen Endometriose-Diagnose häufiger an weiteren somatischen Erkrankungen leiden als Frauen ohne Endometriose.

Finnische Studie mit jungen Patientinnen

In die longitudinale, retrospektive, registerbasierte Kohortenstudie flossen Daten von 2680 Frauen ein, die zum Zeitpunkt der chirurgisch gesicherten Endometriose-Diagnose unter 25 Jahre alt waren. Als Vergleich dienten 5338 gleichaltrige Frauen ohne Endometriose. Die Frauen erhielten die Diagnose zwischen 1998 und 2012 und wurden im Median fast 16 Jahre nachbeobachtet.

Ergebnisse der Studie

Im Alter von 40 Jahren zeigten sich die größten Unterschiede zwischen den Endometriose-Patientinnen und der Kontrollgruppe hinsichtlich

  • Unfruchtbarkeit (38% vs. 9%)
  • Infektionen des Genitaltrakts (24% vs. 6%)
  • Symptome und Zeichen von Schmerzen (62% vs. 28%)
  • Chronische Schmerzen (33% vs. 19%)
  • Migräne (14% vs. 6.4%)

Über die Jahre verringerten sich die Unterschiede zwischen den Gruppen (abnehmendes Hazard-Ratio), blieben aber statistisch signifikant.

Weitere Beschwerden, die bei den Endometriose-Patientinnen häufiger waren als in der Kontrollgruppe, waren Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Uterusmyome, Zöliakie, Asthma, Anämie, Hypertonie, Hypercholesterinämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Schilddrüsenerkrankungen.

Bei Frauen mit einer reinen Ovarialendometriose waren die Symptome weniger stark ausgeprägt als bei Frauen mit anderen Subtypen oder Mischformen.

Insgesamt wurden die Endometriose-Patientinnen häufiger im Krankenhaus vorstellig – ambulant und stationär – als Frauen der Kontrollgruppe.

Limitationen der Studie

In der Studie wurden im Krankenhaus gestellte Diagnosen von Begleiterkrankungen berücksichtigt, dementsprechend wurden Patientinnen nicht erfasst, die in Hausarzt- oder Facharztpraxen behandelt wurden. Laut Studienautoren sind das typischerweise diejenigen mit Asthma, Zöliakie oder Migräne. Bei Patientinnen ohne Endometriose könnten diese dementsprechend untererfasst sein, während die Endometriose-Patientinnen häufiger im Krankenhaus vorstellig wurden, sodass bei ihnen die Erkrankungen bekannt sind. Überdies ist bei Patientinnen, die mit einer schweren Grunderkrankung dauerhaft in Behandlung sind, die Wahrscheinlichkeit für weitere Diagnosen höher.

Umfassender Behandlungsansatz nötig

Die Autoren resümieren, dass ein umfassender, patientenzentrierter Behandlungsansatz nötig sei, der sowohl die Behandlung der Endometriose als auch der weiteren Erkrankungen sowie ein effektives Schmerzmanagement beinhaltet.

Quelle

Rasp E, et al. Burden of somatic morbidity associated with a surgically verified diagnosis of endometriosis at a young age: a register-based follow-up cohort study in Finland. Human Reproduction 2025, https://doi.org/10.1093/humrep/deaf032

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