Abschied von der E-Zigarette: am besten mit Vareniclin und SMS

Vaping ist wie Tabakrauchen gesundheitsschädlich, daher ist der Vorsatz, damit aufzuhören, eine gute Entscheidung. Wie das am besten gelingen kann, untersuchte jüngst ein Forscherteam aus Oxford.

Dampfen nicht besser als Rauchen

Vapes, auch E-Zigaretten genannt, erhitzen nikotin- und/oder aromenhaltige Flüssigkeiten (Liquids). Der dabei entstehende Dampf wird als Aerosol inhaliert. Dabei entstehen zwar weniger gesundheitsschädliche Substanzen als beim Verbrennen von Tabak beim herkömmlichen Zigarettenrauchen, aber das Dampfen hat auch ohne Nikotinzusätze ähnliche und erhebliche Auswirkungen auf die Atemwege und Gefäßfunktionen. Das deutsche Krebsforschungszentrum beschreibt in der Broschüre „Risiken von E-Zigaretten und Tabakerhitzern“ (pdf) unter anderem:

  • Mehrere der in Liquids nachgewiesenen Substanzen werden als gesundheitsgefährdend, giftig oder krebserzeugend eingestuft.
  • E-Zigarettenaerosol wirkt zytotoxisch, verursacht oxidativen Stress, beeinträchtigt die Zellvermehrung, schädigt die DNA und verändert das Ablesen und Umsetzen der genetischen Information.
  • E-Zigarettengebrauch kann eine E-Zigaretten- oder Vaping-assoziierte Lungenschädigung (EVALI) verursachen.
  • E-Zigarettengebrauch kann zu einer endothelialen Dysfunktion führen und verursacht kurzfristig, auch unabhängig von Nikotin, eine Aktivierung des Herz-Kreislaufsystems und oxidativen Stress.
  • E-Zigarettenkonsum erhöht bei Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit, mit dem Rauchen anzufangen, etwa um das Dreifache.

Wie aufhören?

Die Anwenderklientel ist unterschiedlich: Teilweise nutzen Tabakraucher die moderne Methode, um vom Glimmstengel loszukommen. Andere „Dampfer“ haben keinerlei Rauchhistorie. Unabhängig davon fällt insbesondere bei nikotinhaltigen Vapes vielen Anwendern eine langfristige Abstinenz schwer. Es fehlen spezifische Leitlinien oder offizielle Empfehlungen. Jedoch können gängige Mittel für einen Rauchstopp auch dazu dienen, das Vaping erfolgreich aufzugeben. Dazu zählen Interventionen auf pharmakologischer und verhaltenspsychologischer Ebene.

Eine Analyse aus Oxford von neun randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 5209 Teilnehmern sollte herausfinden, welche Maßnahmen den Dampfstopp wirksam unterstützen.
In den Studien untersucht wurden Nikotinersatztherapien wie Pflaster, Spray und Kaugummi sowie die Wirkstoffe Vareniclin, Bupropion und Cytisin. Seitens der Verhaltensinterventionen standen ein Plan zur Reduzierung des Dampfens und SMS-Nachrichten mit motivierenden Inhalten und Tipps zur Raucherentwöhnung auf dem Prüfstand. Untersuchte Endpunkte betrafen den erfolgreichen Abschied von nikotinhaltigen Vapes; eine Veränderung des Konsums von brennbarem Tabak nach mindestens sechs Monaten und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Verglichen wurde mit Placebo oder Kontrollgruppen ohne Intervention.

Beste Ergebnisse für Vareniclin und SMS-Support

Die Studien waren in einigen Endpunkten schwer oder gar nicht vergleichbar, die Evidenz teilweise sehr niedrig. Am vielversprechendsten sind die Ergebnisse für Verhaltensinterventionen per SMS (relatives Risiko [RR] 1,32; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,19–1,47), insbesondere bei jungen Menschen im Alter zwischen 13 und 24 Jahren, und Vareniclin (RR 2,00; 95%-KI 1,09–3,68). Die Daten für die übrigen Methoden waren nicht ausreichend belastbar für eine Schlussfolgerung, teilweise aufgrund der niedrigen Anzahl von Teilnehmern oder weiteren Studien mit vergleichbarem Design. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten so gut wie nicht auf.

Interessanterweise untersuchte keine der Studien die Auswirkung der Interventionen auf das Beginnen, Wiederaufnehmen oder Verändern des Tabakrauchens. Hierzu wäre laut Studienautoren eine Nachbeobachtungszeit von mindestens sechs Monaten wünschenswert. Zum Zeitpunkt der Analyse, die Ergebnisse bis zum 24. April 2024 berücksichtigte, liefen noch 20 randomisierte kontrollierte Studien, deren Ergebnisse in eine Aktualisierung der Untersuchung eingearbeitet werden sollen.

Eine frühere Untersuchung des Oxford-Teams kam zu dem Schluss: Die Wahrscheinlichkeit, das Rauchen für mindestens sechs Monate aufzugeben, ist bei der Verwendung von nikotinhaltigen E-Zigaretten höher als bei der Verwendung einer Nikotinersatztherapie oder von E-Zigaretten ohne Nikotin. Zukünftige Studien werden zeigen, was an den bisherigen Erkenntnissen dran ist.
Zudem hat kürzlich eine Metaanalyse von Autoren des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den Nutzen für Nikotin und Vareniclin zur Rauchentwöhnung bei schwerem Tabakkonsum bestätigt.

Quellen

Butler AR, Lindson N, Livingstone-Banks J, Notley C, Turner T, Rigotti NA, Fanshawe TR, Dawkins L, Begh R, Wu AD, Brose L, Conde M, Simonavičius E, Hartmann-Boyce J. Interventions for quitting vaping. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 1. Art. No.: CD016058. DOI: 10.1002/14651858.CD016058.pub2. Accessed 15 January 2025. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD016058.pub2/full (Abruf am 15.01.2025).

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). Risiken von E-Zigaretten und Tabakerhitzern. 2023.

Lindson N, Butler AR, McRobbie H, Bullen C, Hajek P, Begh R, Theodoulou A, Notley C, Rigotti NA, Turner T, Livingstone-Banks J, Morris T, Hartmann-Boyce J. Electronic cigarettes for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews 2024, Issue 1. Art. No.: CD010216. DOI: 10.1002/14651858.CD010216.pub8. Accessed 15 January 2025 (Abruf am 15.01.2025).

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