In einer Studie aus Finnland zeigte sich, dass neben Vareniclin auch nikotinhaltige E-Zigaretten effektiv die Entwöhnung von konventionellen Zigaretten unterstützen können. Sollten E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung empfohlen werden?
Vareniclin und E-Zigaretten gleich gut
Der primäre Studienendpunkt war eine siebentägige Abstinenz von konventionellen, tabakhaltigen Zigaretten. Die Abstinenz der Teilnehmer wurde durch Messung des ausgeatmeten Kohlenstoffmonoxid-Gehalts (Abstinenz bei unter 10 ppm) in Woche 26 und 52 bestätigt.
458 Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen randomisiert:
- EC-Gruppe: Nikotinhaltige E-Zigarette (EC, 18 mg/ml) + Placebo-Tabletten
- Vareniclin-Gruppe: Nikotinfreie E-Zigarette + Vareniclin-Tabletten
- Placebo-Gruppe: Nikotinfreie E-Zigarette + Placebo-Tabletten
Der Anteil der abstinenten Teilnehmer betrug nach 26 Wochen:
- EC-Gruppe: 40%
- Vareniclin-Gruppe: 44%
- Placebo-Gruppe: 20%
Nach 52 Wochen waren in der EC-Gruppe 28% abstinent, in der Vareniclin-Gruppe 38% und in der Placebo-Gruppe 20%.
Fazit der Studienautoren
Die Anwendung von E-Zigaretten kann für einen Zeitraum von sechs Monaten eine Rauchabstinenz von konventionellen Zigaretten unterstützen. Außerdem könnten nikotinhaltige E-Zigaretten bei stark abhängigen Erwachsenen, die mehrere erfolglose Entwöhnungsversuche hinter sich haben, die tabakbedingten (durch Benzol, Formaldehyd, Nitrosamine, etc.) Gesundheitsschäden verringern.
Eine Vareniclin-Therapie sollte hingegen allen empfohlen werden, die mit dem Rauchen und Nikotinkonsum aufhören möchten.
Kommentar zum Fazit
Exkurs E-Zigaretten
In E-Zigaretten wird die Flüssigkeit (Liquid) auf 150–200 °C erhitzt und verdampft. Das Liquid besteht aus organischen Lösungsmitteln wie Propylenglykol oder Glycerol. Im Lösungsmittel liegen die weiteren Inhaltstoffe wie Nikotin, Aroma- und Geschmacksstoffe vor. Der Nikotingehalt liegt je nach Liquid in der Regel zwischen 10 und 20 mg/ml.
E-Zigarette: ja oder nein?
Wie sich der Wechsel von konventionellen Zigaretten auf E-Zigaretten auf das Lungenkrebsrisiko auswirkt, ist aufgrund fehlender Langzeitdaten derzeit nicht abzusehen. Erste Ergebnisse einer populationsbasierten Studie aus Korea weisen jedoch darauf hin, dass der Switch von konventioneller zu E-Zigarette zu einem höheren Risiko für Lungenkrebs und Lungenkrebs-assoziiertem Tod führt.
Auch wenn die Studienautoren aus den Ergebnissen einen Nutzen von E-Zigaretten zur Entwöhnung von tabakbasierten Zigaretten ableiten, sollte diese Empfehlung nicht unkritisch angenommen werden. Nach S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit“ sollten E-Zigaretten „nicht zur Reduktion des Zigarettenkonsums angeboten werden“. Zu berücksichtigen ist, dass der „positive“ Effekt in der Studie nur für eine Zeitspanne von sechs Monaten und nicht länger beobachtet wurde. Außerdem bergen E-Zigaretten neben den nikotinassoziierten Nebenwirkungen ebenfalls ein großes Suchtpotenzial, da sie angenehm schmecken und ungefährlicher scheinen als sie sind. Ob die Langzeitwirkungen des E-Zigarettenkonsums „besser“ sind als die eines tabakhaltigen Zigarettenkonsums und ob ein Switch bei stark abhängigen Rauchern empfohlen werden sollte, bleibt fraglich.
Was sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung?
Statement des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR):
„Beim Dampfen können krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd und Acetaldehyd sowie das zelltoxische Acrolein entstehen. […] Bislang fehlen Langzeitstudien, wie sich das Einatmen der Vernebelungsmittel Propylenglykol und Glycerin auf die Gesundheit auswirkt. […] Davon abgesehen ist der Konsum von Nikotin ein gesundheitlicher Risikofaktor. Es bewirkt erhöhten Blutdruck, erhöhte Thromboseneigung, Ausschüttung von Stresshormonen und vermehrte Bildung von Magensäure. Dies begünstigt etwa Herzkreislauferkrankungen und erhöht das Risiko für einen Schlaganfall. Aus Sicht des BfR stellt bereits eine Nikotinabhängigkeit eine gesundheitliche Beeinträchtigung dar. Gesundheitliche Bedenken bestehen aber auch bei nikotinfreien E-Zigaretten. Wegen der Vielfalt der Produkte ist oftmals unbekannt, welche Stoffe in den Liquids enthalten sind.“
DGP: Lungenmediziner fordern Aromen-Verbot für E-Zigaretten
Auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) positioniert sich gegen E-Zigaretten, da sie ein zu großes Rückfall- und Gesundheitsrisiko mit sich bringen. In einem Positionspapier vom 20.03.2024 fordert die Gesellschaft ein Verbot der „verlockenden Aromen“.
Unter den 14- bis 17-Jährigen hat sich von 2021 bis 2022 die Nutzung von E-Zigaretten verfünffacht. 37,5% dieser Altersgruppe haben 2023 schon einmal eine E-Zigaretten konsumiert.
Prof. Reiner Hanewinkel, Leiter des Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung Kiel, erklärt: „Bei der Bewertung von E-Zigaretten […] spielten Aromen bisher eine untergeordnete Rolle. Die Ergebnisse unserer Analyse […] zeigen allerdings, dass Aromen sehr wohl eine wichtige Rolle spielen. Aromen vermindern den Hustenreiz. Sie erleichtern daher den Einstieg ins Rauchen und haben darüber hinaus eine konsumfördernde Wirkung, gerade für Jugendliche. Aromen ermöglichen ebenfalls ein tieferes Inhalieren, das die Aufnahme von toxischen Substanzen erhöht. Schließlich steigern Aromen auch das Suchtpotenzial, weil das Nikotin besser aufgenommen werden kann.“
Quelle
Tuisku A. Electronic cigarettes vs varenicline for smoking cessation in adults: A randomized clinical trial. JAMA Intern Med. Published online June 17, 2024. doi:10.1001/jamainternmed.2024.1822.