Verändern Medikamente die Zusammensetzung der Makronährstoffe in der Muttermilch? Dieser Frage sind Wissenschaftler in einer Querschnittsstudie nun nachgegangen.
Wunderpaket Muttermilch
Stillen hat viele gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind. Die WHO empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Als Hauptnahrungsquelle bei Säuglingen hat Muttermilch einen großen Einfluss auf die Genexpression und kann deshalb die Mechanismen im Körper auch noch im späteren Leben beeinflussen. Bestimmte Voraussetzungen können natürlich abweichende Empfehlungen bewirken.
Die Zusammensetzung der Muttermilch ändert sich im Laufe der Zeit und ist abhängig von den Bedürfnissen des Säuglings. Muttermilch hat in der Regel etwa 66 kcal/100 ml und enthält allen voran Kohlenhydrate (8 g/100 ml; hauptsächlich Lactose), Fett (3,5-4 g/100 ml) und Proteine (1 g/100 ml). Beeinflusst werden kann diese Zusammensetzung der Makronährstoffe beispielsweise durch die Ernährung, aber auch durch Erkrankungen – einschließlich der Schwere der Erkrankung – der Mutter und medikamentöse Therapien. Über 70 % der stillenden Mütter nehmen Medikamente ein, die theoretisch die Makronährstoffzusammensetzung der Muttermilch beeinflussen können.
Die Studie im Überblick
Ziel der Querschnittsstudie aus den USA und Kanada war es zu untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen einer medikamentösen Langzeitbehandlung stillender Mütter und einer veränderten Makronährstoffzusammensetzung menschlicher Muttermilch gibt. In die Studienauswertung eingeschlossen wurden 384 Milchproben, die zwischen zwei Wochen und zwölf Monaten post partum gesammelt wurden. Voraussetzung war eine kontinuierliche Einnahme in den 14 Tagen vor der Probennahme; für Patienten während einer Therapie mit monoklonalen Antikörpern (MAB) war die Steady-State-Konzentration entscheidend, wenn in dem 14-Tage-Zeitfenster keine Medikamenteneinnahme erfolgte. Ausgeschlossen wurden Proben nach Einnahme von mehr als einer Medikation. Von den stillenden Müttern nahmen 63 selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), 63 MAB, 33 systemische Steroide (SST) und 20 andere antiinflammatorische Medikamente (AIM) ein. Als Vergleichskohorte wurden 141 stillende Mütter mit den gleichen, jedoch unbehandelten Erkrankungen (VGL1) untersucht und 64 gesunde stillende Mütter, die ebenfalls keine Medikamente einnahmen (VGL2).
Gemessen wurden Protein-, Fett- und Kohlenhydratanteil und die Gesamtenergie der Milchproben. Bereinigt wurden die Ergebnisse mittels verschiedener Parameter wie Alter, Stillverhalten und Beruf der Mutter.
Studienergebnisse
Die Messung des Kohlenhydratanteils ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Der Proteingehalt dagegen war in allen Gruppen 15-21% niedriger als bei VGL2 (nach Bereinigung nur noch für SSRI und SST signifikant). Fettanteil und Gesamtenergiegehalt waren in der AIM-Gruppe reduziert im Vergleich zu VGL1 und VGL2 (nach Bereinigung nur noch signifikant für Fettanteil verglichen mit VGL1).
Die Studienergebnisse legen nahe, dass eine Medikation der Mutter die Makronährstoffzusammensetzung der menschlichen Muttermilch verändern und so das Wachstum des Säuglings beeinflussen und zu Gesundheitsrisiken führen kann. Limitiert wird die Studie allerdings durch das enge Einnahmefenster von 14 Tagen. Einordnungen in eine falsche Gruppe können die Studienautoren deshalb nicht ausschließen.
Noch keine Klärung in Sicht
Ob die Studienergebnisse eine klinische Auswirkung haben, ist noch nicht geklärt. Kenntnisse über den Einfluss der Ernährung und die Schwere von Erkrankungen sind dafür Voraussetzung.
Die Studienautoren betonen auch, dass die Ergebnisse nicht die Still-Empfehlungen bei einer Medikation mit Antidepressiva oder antiinflammatorischen Medikamenten beeinflussen sollen. Auf das Wachstum der Säuglinge sollte man dennoch ein Auge haben.
Quellen
Bildquelle
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