Die American Heart Association und American Stroke Association haben ihre gemeinsame Leitlinie zur Primärprävention von Schlaganfällen aktualisiert. So umfasst die aktualisierte Version nun auch geschlechter- und genderspezifische Empfehlungen für Screening und Prävention sowie die Bewertung sozialer Einflussfaktoren.
Geschlechtsspezifische Faktoren
Die aktualisierte Leitlinie der American Heart Association (AHA) und American Stroke Association (ASA) zur Primärprävention von Schlaganfällen wurde um das Kapitel der geschlechtsspezifischen Faktoren ergänzt. Im Folgenden werden die ergänzten Abschnitte zusammengefasst.
Schwangerschaft
Während einer Schwangerschaft und in der Zeit nach der Entbindung haben Frauen ein dreifach erhöhtes Schlaganfallrisiko verglichen mit Erwachsenen im gleichen Alter (etwa 30 Fälle pro 100.000 Geburten). Die meisten Schlaganfälle treten dabei innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Entbindung auf.
Bisher gibt es keine randomisierten Studien zur optimalen Schlaganfallprävention, aber es gibt Evidenz, dass sich die Kontrolle des Blutdrucks positiv auf die Prävention eines mütterlichen Schlaganfalls auswirkt.
Endometriose
Eine Erkrankung an Endometriose konnte mit dem Auftreten kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Hypertonie und Hypercholesterinämie assoziiert werden. Neue Untersuchungen belegten zudem Endometriose als Frauen-spezifischen Risikofaktor für einen Schlaganfall, mit einem erhöhten Risiko von 16–34 %. Eine Bewertung des Schlaganfallrisikos durch einen Gynäkologen sollte erfolgen, wobei Studien zu Präventionsstrategien bei Frauen mit Endometriose fehlen.
Hormonelle Verhütung
In Untersuchungen konnte ein linearer Zusammenhang zwischen Dosis des Estrogens in kombinierten Hormonpräparaten und dem Schlaganfallrisiko bewiesen werden. Für Frauen, die Präparate mit mehr als 50 μg Estrogen einnehmen, liegt das relative Risiko für einen Schlaganfall bei 4,53. Die Leitlinienautoren empfehlen daher bei Frauen, die ein kombiniertes hormonelles Kontrazeptivum erhalten sollen, ein Präparat mit einem Estrogengehalt unter 50 μg zu wählen.
Menopause
Während der Menopause können vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Schwitzen auftreten. Mit steigender Schwere und Häufigkeit der Symptome steigt auch das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, zeigte eine Untersuchung aus 2023. Ob auch das Risiko für einen Schlaganfall steigt, zeigte sich bisher nicht.
Estrogen-basierte Therapien sind effektiv zur Symptomkontrolle, jedoch erhöhen Hormonbehandlungen ebenfalls das kardiovaskuläre Risiko. Aber: Eine topische Estrogenbehandlung konnte nicht mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert werden.
Hypogonadismus
Bei Männern, die aufgrund eines diagnostizierten Hypogonadismus eine Testosteronersatztherapie erhalten, konnte kein erhöhtes Schlaganfallrisiko beobachtet werden.
Genderspezifische Faktoren
In Studien konnte beobachtet werden, dass trans* Frauen, die eine Hormontherapie erhalten, eine höhere Inzidenz und Prävalenz für Schlaganfälle aufweisen. Bei trans* Männern wurde dies nicht beobachtet.
Allerdings gibt es derzeit noch wenig Gesundheitsdaten von trans* Personen, wodurch die Identifikation zugrunde liegender Mechanismen und des potenziellen Schlaganfallrisikos sowie die Bewertung von Interventionen erschwert ist. Die Leitlinienautoren empfehlen daher, Risikofaktoren von trans* Frauen, die eine Hormontherapie erhalten, zu adressieren und zu bewerten.
Gesundheitliche Gleichstellung
Ebenfalls enthält die Leitlinie nun einen Abschnitt zu sozialen Einflussfaktoren auf das Schlaganfallrisiko. Zu diesen Faktoren zählen Bildung, wirtschaftliche Stabilität, der Zugang zu medizinischer Versorgung, Diskriminierung, Rassismus und der Wohnort. Alle genannten Faktoren führen letztlich zu einer Ungleichheit in der gesundheitlichen Versorgung.
Die Leitlinienautoren schließen jedoch, dass die Bewertung der Faktoren im Rahmen der Leitlinie zu weit führen würde, und verweisen darauf, dass diese Thematik in anderen Arbeiten und Statements der AHA aufgegriffen wird.
Quelle
Bushnell C, et al. 2024 Guideline for the Primary Prevention of Stroke: A Guideline From the American Heart Association/American Stroke Association. Stroke. Published online October 21, 2024.
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