Teplizumab ist bei Vorstufen des Typ-1-Diabetes zugelassen, um die Manifestation aufzuschieben. Nicht klar ist, ob auch Patienten mit bereits diagnostizierter Erkrankung profitieren.
Erkrankung meist vom Typ 2
Über acht Millionen Menschen in Deutschland leben mit diagnostiziertem Diabetes mellitus, hinzu kommen geschätzt zwei Millionen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen (PDF). Weniger als 400.000 Menschen sind Typ-1-Diabetiker, bei den meisten liegt dementsprechend eine Erkrankung vom Typ 2 vor. Allerdings zeigte eine aktuelle Studie, dass eine viel höhere Zahl an Typ-1-Diabetikern als bisher angenommen erst im Erwachsenenalter über 30 Jahren erkrankt.
Die meisten zugelassenen Antidiabetika sind Typ-2-Diabetikern vorbehalten, für Typ-1-Diabetiker sind die Möglichkeiten über die Insulinsubstitution hinaus sehr begrenzt. Auch Präventionsmaßnahmen konzentrieren sich auf Typ-2-Diabetes, da dieser unter anderem durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt wird. Die Entstehung von Typ-1-Diabetes ist dagegen weniger beeinflussbar.
Erkrankungsbeginn verzögern
Bevor sich die Erkrankung mit einer dauerhaften Hyperglykämie manifestiert, durchlaufen Betroffene verschiedene asymptomatische Stadien: In Stadium 1 liegen Autoantikörper bei normalen Blutzuckerwerten vor und in Stadium 2 macht sich ein gestörter Glucosestoffwechsel bemerkbar. Stadium 3 entspricht dem manifestierten Typ-1-Diabetes.
Es handelt sich dabei eine Autoimmunerkrankung, bei der autoreaktive T-Lymphozyten die insulinproduzierenden Zellen des Pankreas zerstören. Bei diesem Mechanismus setzt der anti-CD3-Antikörper Teplizumab an. Unter der Behandlung steigt die Zahl inaktivierter zytotoxischer T-Zellen sowie die Zahl regulatorischer T-Zellen, sodass der Prozess der Zerstörung aufgehalten bzw. verlangsamt wird.
Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) hat den Wirkstoff zur Verzögerung des Erkrankungsbeginns bereits zugelassen (Stadium 2). In Europa steht eine Entscheidung noch aus. Nun sollte in einer aktuellen Studie geklärt werden, ob auch der Einsatz nach Diagnose eines Typ-1-Diabetes (Stadium 3) noch vorteilhaft für die Krankheitsprogression sein kann.
Erhalt der Betazellfunktion
In der Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie erhielten 217 Patienten Teplizumab und 111 Patienten Placebo. Sie waren spätestens sechs Wochen nach Diagnose der Erkrankung in die Studie aufgenommen worden und erhielten die Medikation in zwei Zyklen (jeweils täglich über 12 Tage mit 26 Wochen Abstand zwischen den Zyklen). Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung der Betazellfunktion nach 78 Wochen untersucht, die bei Patienten unter Teplizumab signifikant besser erhalten werden konnte als unter Placebo.
Bei klinischen Endpunkten (sekundäre Endpunkte) wie tägliche Insulin-Dosis, Zeit im Zielglucosebereich, HbA1C-Wert oder Hypoglykämien unterschieden sich die beiden Gruppen jedoch nicht. Nebenwirkung waren meist von leichter oder moderater Ausprägung und gut händelbar.
Quelle
Ramos E, et al. Teplizumab and β-Cell Function in Newly Diagnosed Type 1 Diabetes. N Engl J Med 2023;389:2151–61. DOI: 10.1056/NEJMoa2308743