Neben anderen alkoholischen Getränken darf bei vielen Familien auch der klassische Rotwein zum Weihnachtsfest nicht fehlen. Nach dem ein oder anderen Gläschen kommt es allerdings bei einigen Konsumenten zu Kopfschmerzen. Warum das insbesondere nach dem Genuss von Rotwein der Fall ist, wurde von Forschenden der University of California untersucht.
Gründe für alkoholbedingte Kopfschmerzen
Wurden am Abend zuvor alkoholische Getränke konsumiert, so sind Kopfschmerzen am Morgen keine Seltenheit. Gründe für diese Kopfschmerzen können in der direkten Wirkung des Alkohols bestehen, aber auch die Metabolisierung des Alkohols in der Leber spielt eine Rolle. Dabei läuft die Verstoffwechslung in zwei Schritten ab: Zuerst katalysiert das Enzym Alkohol-Dehydrogenase (ADH) die Umwandlung von Ethanol in Acetaldehyd. Letzteres wird dann in einem zweiten Schritt in Acetat umgewandelt, katalysiert von der Aldehyd-Dehydrogenase (ALDH). Werden höhere Mengen Alkohol konsumiert, reichert sich Acetaldehyd an, was die typischen „Kater-Symptome“ wie Übelkeit und Kopfschmerzen auslöst.
Interessanterweise treten Kopfschmerzen besonders häufig nach dem Konsum von Rotwein auf. Dafür sind oft bereits ein bis zwei Gläser ausreichend. In einer Metaanalyse zu primären Kopfschmerzen bei Alkoholkonsumstörung gaben 28% der Studien Rotwein als Auslöser für die Schmerzen an, gefolgt von Spirituosen (14%), Weißwein (10%) und Sekt/Bier (10%). Als Grund für die Kopfschmerzen nach Rotwein-Konsum wird häufig der hohe Phenolanteil genannt, ein genauer Mechanismus konnte bisher jedoch nicht gefunden werden.
Neuer Mechanismus aufgedeckt
Ergebnisse von Studien deuten bereits an, dass das Flavonol Quercetin einen Effekt auf die ALDH hat. In einer aktuellen Studie wurde nun die Wirkung von Quercetin auf die mitochondriale ALDH2 als mögliche Ursache der Kopfschmerzen untersucht. In-vitro-Untersuchungen zeigen, dass insbesondere der Metabolit Quercetin-3-Glucuronid eine inhibitorische Wirkung auf ALDH2 besitzt, mit einem IC50-Wert von 9,6 µM. Durch die Hemmung des Enzyms kommt es zur Akkumulation des Abbauprodukts Acetaldehyd und dadurch zu stärkeren alkoholbedingten Symptomen wie Kopfschmerzen und Hitzewallungen. Mit Zuhilfenahme der Bioverfügbarkeit von Quercetin nehmen die Studienautoren an, dass ein Glas Rotwein mit 5 µM Quercetin-3-Glucuronid bereits zu etwa 37% ALDH2-Inhibition führt. Weitere Studien sind jedoch erforderlich, um den Mechanismus auch in vivo zu bestätigen.
Rotwein ist nicht gleich Rotwein
Flavonole wie Quercetin oder Myricetin sind auch in Weißwein nachweisbar, jedoch in einer geringeren Konzentration. Interessant ist auch, dass die Flavonol-Menge in Rotweinen je nach Anbauland unterschiedlich ist. Forschende fanden in 16 Rotweinen aus unterschiedlichen Ländern eine Quercetinmenge von 5 bis 104,7 µmol. Dabei komme es wohl darauf an, wie viel Sonneneinstrahlung die Weinrebe im Laufe des Jahres erfährt: Trauben, die in der direkten Sonne reiften, zeigten in Studien höhere Quercetin-Level als Trauben, die im Schatten wuchsen. Aus diesem Grund weisen auch Premium-Weine, deren Weinreben stärker bearbeitet werden und daher mehr Sonneneinstrahlung erfahren, oft höhere Quercetin-Level auf.
Quelle
Devi A, et al. Inhibition of ALDH2 by quercetin glucuronide suggests a new hypothesis to explain red wine headaches. Sci Rep 2023;13:19503.