Höheres Sterberisiko bei Hypochondern

In einer aktuellen schwedischen Studie wurde eine erhöhte Mortalitätsrate unter Hypochondern festgestellt. Was sind die Ursachen dafür?

Überzeugung, körperlich krank zu sein

Nach ICD-10 handelt es sich bei der Hypochondrie um eine Verhaltensstörung aus der Untergruppe der somatoformen Störungen. Kennzeichnend bei Betroffenen ist die „beharrliche Beschäftigung mit der Möglichkeit, an einer oder mehreren schweren und fortschreitenden körperlichen Krankheiten zu leiden“. Normale Körperwahrnehmungen und Symptome werden als krankhaft und belastend wahrgenommen, körperliche Erkrankungen sind jedoch nicht nachweisbar. Depression und Angst sind aber häufige Begleiter dieser Patienten.

Doch wie ist es wirklich um das Sterberisiko dieser Patienten bestellt? Eine aktuelle Studie soll Aufschluss darüber geben.

Mehr natürliche und unnatürliche Todesfälle

In der schwedischen gematchten Kohortenstudie wurden 4129 Patienten mit Hypochondrie 41.290 Personen ohne entsprechende Diagnose gegenübergestellt. Zum einen wurde die Gesamtsterblichkeit untersucht und zum anderen spezifische Todesursachen betrachtet.

Es starben 268 Menschen mit Hypochondrie und 1761 aus der Vergleichskohorte. Das entspricht einer Mortalitätsrate von 8,5 bzw. 5,5 pro 1000 Personenjahre. Adjustiert auf soziodemografische Faktoren hatten Hypochonder ein höheres Sterberisiko (Hazard-Ratio [HR] für Tod jeglicher Ursache 1,69). Die Rate war bei natürlichen und unnatürlichen Todesursachen erhöht (HR 1,60 und 2,43). Letztere war insbesondere durch das erheblich höhere Suizidrisko bedingt (HR 4,14). Im Vergleich mit anderen lebenslangen psychiatrischen Begleiterkrankungen – Adjustierung auf Depressionen und Angststörungen – war das Suizidrisiko jedoch bei Hypochondern nicht erhöht.

Aber auch bei natürlichen Todesursachen (ausgenommen Neoplasmen), beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder respiratorische Erkrankungen, war das Sterberisiko unter Hypochondern höher. Die Ursache hierfür ließ sich aus den Studiendaten nicht ableiten. Die Autoren vermuten dahinter ein multifaktorielles Geschehen: Schuld können erhöhte Stresslevel und vermehrter Alkohol-/Substanzgebrauch bzw. -missbrauch sein. Überdies ist die Erkrankung als solche unterdiagnostiziert und dementsprechend fehlt der Zugang zu evidenzbasierter Behandlung.

Die Autoren resümieren, dass die Diagnostik und der Zugang zu evidenzbasierter Therapie verbessert werden müsse. Dann wären viele der überzähligen Todesfälle unter Hypochondern im Vergleich zur Gesamtbevölkerung vermeidbar.

Quelle

Mataix-Cols D, et al. All-Cause and Cause-Specific Mortality Among Individuals With Hypochondriasis. JAMA Psychiatry 2023. doi:10.1001/jamapsychiatry.2023.4744