Ist retardiertes Metformin besser verträglich?

Gastrointestinale Nebenwirkungen wie Durchfall und Bauchschmerzen sind unter einer Metformintherapie sehr häufig. Bringt eine Retardtablette hier Vorteile?

Metformin immer noch die Nr. 1

Eine umfassende medizinische Versorgung bei Diabetes mellitus beinhaltet sowohl die optimierte und individualisierte glykämische Kontrolle als auch einen therapeutischen Plan. Da Lebensstiländerungen wie eine Ernährungsumstellung und körperliche Bewegung  oft nicht ausreichen, den Blutzuckerspiegel optimal einzustellen, stellt die Pharmakotherapie eine wichtige Komponente beim Management des Diabetes mellitus Typ 2 dar.

Nach Ausschöpfung der nichtmedikamentösen Basistherapie steht Metformin an erster Stelle des Therapiealgorithmus. Bei Patienten ohne kardiovaskuläres Risiko wird es derzeit als Monotherapie empfohlen. Typisch bei der Einnahme von Metformin sind gastrointestinale Nebenwirkungen, die zu einer schlechten Adhärenz führen.

Könnte eine Formulierung mit verzögerter Wirkstofffreisetzung dieses Problem beheben? In den USA und Kanada ist ein solches Präparat als GI-verträglichere Variante bereits seit über 16 Jahren im Handel.

Sofortige versus verzögerte Freisetzung

In einer aktuellen Metaanalyse wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Metformin in Formulierungen mit verzögerter und sofortiger Wirkstofffreisetzung bei Typ-2-Diabetikern miteinander verglichen.

In die Metaanalyse wurden neun randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2609 Patienten eingeschlossen. Der HbA1c-Wert wurden mit der schnellfreisetzenden Metformin-Tablette im Mittel etwas besser gesenkt als mit der verzögerten Freisetzungsform (0,09%; 95%-KI 0,01–0,17%). Bei den gastrointestinalen Symptomen waren beide Formulierungen fast gleichauf. Nur die Symptome einer Dyspepsie, die unter anderem mit Völlegefühl, Aufstoßen und Sodbrennen einhergehen, waren bei der Einnahme der Retardtablette seltener (RR 0,58; 95%-KI 0,340,98).

Kein wesentlicher Unterschied

Der Unterschied bei der Senkung des HbA1c-Werts zwischen der schnell-freisetzenden und der Retard-Formulierung war nur marginal und klinisch nicht relevant. Auch bei den gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen gab es keinen Unterschied. Nur dyspeptische Beschwerden traten seltener mit der verzögerten Freisetzung auf.

Langsame Dosiseinstellung

Bei einer beginnenden Therapie mit Metformin sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Dosis nur allmählich gesteigert wird. So kann die gastrointestinale Verträglichkeit verbessert werden. Auch nehmen Häufigkeit und Schwere der gastrointestinalen Nebenwirkungen mit der Zeit ab.

Quelle

Abrilla AA, et al. Metformin extended-release versus metformin immediate-release for adults with type 2 diabetes mellitus: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Diabetes Res Clin Pract 2021;178:108824. doi: 10.1016/j.diabres.2021.108824.