Geht nur Insulin bei Gestationsdiabetes?

Insulin ist die besterprobte Therapie bei Schwangerschaftsdiabetes und dementsprechend der Standard. Metformin wird aufgrund der eingeschränkten Datenlage nicht empfohlen. Ist es trotzdem eine Option?

Entstehung und Folgen von Schwangerschaftsdiabetes

Risikofaktoren für die Entstehung eines Gestationsdiabetes sind unter anderem Übergewicht/Adipositas, Rauchen sowie Typ-2-Diabetes in der Familie oder eine vorbestehende gestörte Glukosetoleranz.

Eine diabetische Stoffwechsellage erhöht das Risiko für eine Vielzahl von Fehlbildungen beim Kind während der ersten Schwangerschaftswochen (diabetische Embryopathie) und auch die perinatale Sterblichkeit. Auftreten können beispielsweise Neuralrohrdefekte oder Fehlbildungen der Organe und die Kinder sind häufiger überdurchschnittlich groß (Makrosomie). Die diabetische Fetopathie äußert sich unter anderem in Atemstörungen, Hypoglykämie und einer erhöhten Erythrozytenzahl (höhere Viskosität mit Gefahr für thromboembolische Komplikationen). Außerdem steigt das Risiko für eine Frühgeburt (PDF S2k-Leitlinie).

Wenn diätetische Maßnahmen nicht ausreichen, ist der Goldstandard für die Therapie des Gestationsdiabetes Humaninsulin, das nicht plazentagängig ist und für das der größte Erfahrungsschatz vorliegt.

Metformin eventuell Option?

In einer neuseeländischen Studie wurde nun untersucht, ob sich eine Metformin-Therapie negativ auf die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder auswirkt oder ob das orale Antidiabetikum eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Betrachtet wurden Schwangere mit Gestationsdiabetes, aber nicht vorbestehendem Typ-2-Diabetes.

In Neuseeland werden Kinder im Alter von vier Jahren im „B4-School-Check (B4SC)“ auf ihre Schulreife überprüft. Dazu zählen der körperliche Entwicklungsstand sowie die durch Eltern und Lehrer beurteilte soziale und emotionale Reife. Dabei zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Kindern von mit Metformin behandelten Müttern und denen, die mit Insulin therapiert wurden.

Unter Insulin traten nur etwas häufiger neonatale Hypoglykämien auf und Extremwerte für das Gewicht-Größe-Verhältnis kamen bei Jungen (nicht aber bei Mädchen) etwas häufiger vor. Klinisch relevant waren diese Unterschiede jedoch nicht.

Da es außerdem keine Hinweise für eine Teratogenität von Metformin gibt und es nicht fetotoxisch ist, kann es für manche Patientinnen möglicherweise eine Alternative zu Insulin, beispielsweise bei starkem Übergewicht, darstellen.

Eine ausführlichere Beschreibung der Studie finden Sie in der neuen KPH, die am 7. Juni erscheint.

Diabetes-Kongress 2019

Am Mittwoch beginnt übrigens der diesjährige Diabetes-Kongress in Berlin, wo auch verschiedene Veranstaltungen zu Gestationsdiabetes oder vorbestehender Diabeteserkrankung in der Schwangerschaft auf dem Programm stehen.