Blinddarmentzündung: Abschneiden oder Antibiotikum?

Die Daten einer fünfjährigen Nachbeobachtung liefern neue Ergebnisse zum Vorgehen bei unkomplizierter Appendizitis.

530 Patienten mit einer durch Computertomographie bestätigten akuten unkomplizierten Appendizitis wurden für die APPAC-Studie in zwei Gruppen randomisiert und entweder operiert oder mit Antibiotika behandelt.

Primärer Endpunkt war die Notwendigkeit einer Operation ein Jahr nach der Antibiotika-Gabe.

Ergebnisse

Innerhalb von einem Jahr nach Klinikentlassung mussten 70 der 257 Patienten (27%) aus der Antibiotika-Gruppe doch operiert werden. Bis zum fünften Jahr kamen noch 30 weitere hinzu. Bei sieben Patienten stellte sich jedoch heraus, dass gar keine Blinddarmentzündung vorlag.

Die Komplikationsrate in der Antibiotika-Gruppe war deutlich geringer (6,5 vs. 24,4 %), da potenzielle Folgekomplikationen einer Operation vermieden wurden.

Kommentar

Diese Ergebnisse bestätigen eine Antibiotika-Therapie als Alternative zu einem chirurgischen Eingriff bei unkomplizierter Appendizitis. Ein interessantes Nebenprodukt der Studienergebnisse ist die Rate an Appendektomien, die durchgeführt wurden, obwohl keine Blinddarmentzündung vorlag: 10 % (7/70) der Operationen in der Antibiotika-Gruppe. Allein das spricht aus meiner Sicht gegen eine chirurgische Intervention als grundsätzliche Primärmaßnahme.