Neue Europäische Leitlinien: Tut sich was beim Bluthochdruck?

Die neue europäische Leitlinie für die Behandlung von Bluthochdruck wird an der Definition von Bluthochdruck von ≥140/90 mm Hg festhalten. Sie empfiehlt aber, eine Senkung in den Normalbereich (<130/80 mm Hg) anzustreben. Das gaben die „European Society of Hypertension“ (ESH) und die „European Society of Cardiology“ (ESC) auf dem ESH-Kongress bekannt, der letztes Wochenende in Barcelona stattfand.

Krankheitsdefinition von ≥140/90 mm Hg wird beibehalten

Die Blutdruckbereiche werden folgendermaßen differenziert:

  • Optimaler Blutdruckbereich: <120/80 mm Hg
  • Normaler Blutdruckbereich: 120–129/80–84 mm Hg
  • Hochnormaler Blutdruckbereich: 130–139/85–89 mm Hg
  • Werte ≥140/90 mm Hg werden als krankhaft eingestuft.

Zeigt eine Lebensstiländerung bei Werten ≥140/90 mm Hg keine Erfolge, soll eine medikamentöse Behandlung erwogen werden. Die US-Leitlinien definieren zwar seit 2017 Bluthochdruck bereits ab Werten ≥130/80 mm Hg. Die europäische Leitlinienkommission sah aber keine ausreichende Evidenz für diese Empfehlung.

„Bluthochdruck ist ein komplexes Erkrankungsbild und die moderne Bluthochdrucktherapie sollte individualisiert erfolgen. Die Leitlinien setzen lediglich den groben Rahmen.“ (Prof. Dr. Bernhard Krämer)

Neue Leitlinie setzt verstärkt auf Prävention und Früherkennung

  • Im Vordergrund der neuen Leitlinie stehen Prävention und Früherkennung.
  • Normotensive Erwachsene sollen sich alle 5 Jahre einer Blutdruck-Screening-Messung unterziehen.
  • Erwachsene mit hochnormalen Blutdruckwerten sollen sich mindestens jährlich einer Blutdruck-Screening-Messung unterziehen.
  • Die Therapietreue soll durch den Einsatz von Fixdosis-Kombinationen verbessert werden.

Monotherapie hat als Erstlinientherapie ausgedient

Die medikamentöse Therapie soll Prof. Dr. Bernhard Krämer, Präsident der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL®/Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention, zufolge primär als Zweifach-Kombinationstherapie aus ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) und Kalziumantagonist oder Thiaziddiuretikum erfolgen.

Die Hälfte der Hypertoniker ist unzureichend behandelt

Das primäre Ziel sollte sein, Menschen mit Bluthochdruck erfolgreich unter 140/90 mm Hg zu bringen, am besten in den Normalbereich, so Krämer. Gründe für eine unzureichende Einstellung werden zum einen der schlechten Compliance der Patienten zugeschrieben, zum anderen der hohen Dunkelziffer der Erkrankung.

Die Publikation der gemeinsam erstellten Leitlinie wird für August 2018 erwartet (Williams B, et al. 2018 Guidelines of the ESC/ESH in press Eur Heart J / J Hypertens).