Rauchfrei dank Verbot von Zusatzstoffen?

Zum 1. Januar 2017 hatte die Provinz Ontario in Kanada ein umfassendes Verbot von Mentholzigaretten erlassen und auch in der EU ist mit der neuen Tabakrichtlinie, die seit 20. Mai 2016 in den EU-Mitgliedstaaten geltendes Recht ist, ein Verbot von Mentholzigaretten ab 2020 umzusetzen. Eine Gruppe Forscher hat nun in Kanada untersucht, ob sich ein Jahr nach Erlass der Vorschrift etwas am Rauchverhalten der Bevölkerung geändert hat.

325 Teilnehmer wurden in die Untersuchung eingeschlossen. Viele von ihnen hatten im Vorfeld angegeben, nach dem Verbot von Mentholzigaretten auf solche ohne Zusatzstoffe umsteigen zu wollen. Erstaunlicherweise haben dann doch mehr als vorher selbst eingeschätzt das Rauchen einen Monat nach Gültigkeit des Verbots gleich ganz bleiben lassen – nämlich 60 statt der 30 Personen, die angegeben hatten, aufhören zu wollen. Und 12% waren auch nach einem Jahr immer noch rauchfrei. Allerdings waren auch viele einfach auf E-Zigaretten umgestiegen, für die das Mentholverbot keine Gültigkeit hat.

Und andernorts?

In einem begleitenden Kommentar resümieren zwei Autoren, dass das Ergebnis dieser Untersuchung in Kanada wichtige Botschaften für den Rest der Welt hat: Zum einen fördert das Verbot die Bevölkerungsgesundheit, weil mehr Menschen das Rauchen aufgeben, und zum anderen sei es wichtig, selbiges auf alle Tabakprodukte auszuweiten, um deren Konsum möglichst unattraktiv zu machen. Denn aromatisierte Tabakerzeugnisse seien häufig die Einstiegsdroge für Jugendliche, da Menthol nicht nur den schlechten Geschmack maskiert, sondern auch durch lokale betäubende Effekte die Schärfe des Tabakrauchs abmildert und so das Inhalieren erleichtert.

Sie kritisieren außerdem, dass in den USA keine entsprechenden Maßnahmen geplant sind, weil FDA und Gesetzgeber sich von Vertretern der Tabakindustrie haben ausbremsen lassen. Nur einzelne Städte wie Chicago und San Francisco haben entsprechende Richtlinien erlassen.

Wie sieht es in Deutschland aus?

In Deutschland ist der Anteil an rauchenden Jugendlichen derzeit allerdings erfreulicherweise sowieso schon niedrig wie nie. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  greifen nur 9,6 % aller 12- bis 17-jährigen Jugendlichen  regelmäßig zur Zigarette, 2001 waren es noch 28 %.

Bei den 18- bis 25-Jährigen ist der Anteil an Rauchern mit 29,7 % vergleichsweise höher, aber weit unter dem Niveau am Ende der 90er und in den frühen 2000er-Jahren (rund 50% Raucher).

Böse Zungen behaupten allerdings, das liege nur daran, dass die Jugendlichen seit Verbreitung des Smartphones einfach keine Hand mehr zum Rauchen frei haben! Das ist sicher besser für die Lunge, aber dafür nimmt wiederum auch die Zahl der Jugendlichen zu, die ein bedenkliches, teilweise suchtähnliches Nutzungsverhalten von Computer, Handy und Internet an den Tag legen – also wohl ein klassischer Fall von den Teufel mit dem Beelzebub austreiben …

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