Alzheimer bleibt therapeutische Herausforderung

Cholinesterase-Hemmer (z.B. Rivastigmin) und der Glutamat-Antagonist Memantin sind momentan die einzigen Arzneimittel, die zur Erhaltung der geistigen Leistungsfähigkeit bei der Alzheimer-Erkrankung gegeben werden können. Allerdings sind diese Therapieansätze „nur“ symptomatisch. Nach einem kurativen Ansatz wird seit Jahrzehnten fieberhaft gesucht.

Die Alzheimer-Erkrankung ist durch Amyloid-beta-Plaques charakterisiert – Forschungsansätze haben sich daher in den letzten Jahren häufig auf dieses Protein konzentriert. So auch bei der Entwicklung von Solanezumab: Der humanisierte monoklonale Antikörper bindet Amyloid-beta und soll so die Plaquebildung im Gehirn verhindern.

Bereits vor zwei Jahren stand schon einmal im Raum, die Studien zu Solanezumab zu beenden, da in zwei abgeschlossenen Studien keine Verbesserung von Kognition und Funktion festgestellt werden konnte. Da man dort aber einen positiven Trend bei Patienten mit leichter Erkrankung gesehen hatte, wurde diese Patientengruppe nun auch noch untersucht.

2129 Patienten erhielten in einer Doppelblindstudie entweder Solanezumab oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Änderung im Wert der kognitiven Subskala der Alzheimer Disease Assessment-Scale (ADAS-cog14).

Das Ergebnis ist ernüchternd: kein Unterschied zwischen Solanezumab und Placebo.

Ein weiterer Flop

Aber auch symptomatische Ansätze werden weiter verfolgt, beispielsweise mit dem Serotonin-Rezeptor-Antagonisten Idalopirdin. Die Blockade von 5-Hydroxytryptamin-6-Rezeptoren beeinflusste die cholinerge, monoaminerge und glutamaterge Neurotransmission und konnte im Tiermodell Lernfähigkeit und Gedächtnis verbessern.

In drei Phase-III-Studien wurde Idalopirdin als Zusatztherapie zu anderen Antidementiva im Vergleich mit Placebo getestet und war diesem in keiner der getesteten Dosierungen überlegen.

Schon nach Phase II wurde angezweifelt, ob es sinnvoll ist, das Konzept weiter zu verfolgen. Dort hatte der Wirkstoff nämlich bereits nur dann Effekte gezeigt, wenn er gemeinsam mit Donepezil verabreicht wurde, sodass die Frage aufkam, ob er möglicherweise nur als Wirkverstärker fungiert habe.

Umfunktionieren ist Trend

Indikationsswitch bei Alemtuzumab von Leukämie zu MS, Propranolol bei infantilen Hämangiomen (zugelassen seit 2014), Irbesartan bei Kolorektalkarzinom, Exenatid bei Parkinson, Clemastin bei MS …

Die Liste ist lang, wenn es um Wirkstoffe geht, die umfunktioniert, zweitverwertet oder wiederentdeckt wurden.

Eine neue Idee ist nun, Malariamedikamente bei Alzheimer einzusetzen. Die Idee dahinter ist, dass diese die Gephyrin-Bildung erhöhen. Das multifunktionelle Enzym wird bei Alzheimer-Patienten möglicherweise nicht mehr in ausreichender Menge gebildet. Es wird diskutiert, dass dieses wiederum mit dem Amyloid-Precursor-Protein in Wechselwirkung tritt, das eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Alzheimer einnimmt.

Und jetzt?

Neue Therapiemöglichkeiten werden also weiterhin dringend gesucht. Weil die Ergebnisse auf diesem Gebiet meist frustran waren, stellen allerdings mittlerweile einige Firmen ihre Forschung auf dem Gebiet ein, wie die Hirnliga e.V. mitteilte (PDF).

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