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Was bedeuten Schwangerschaftskomplikationen langfristig für die Niere?

Die Nieren müssen während einer Schwangerschaft vermehrt arbeiten. Treten Bluthochdruck oder andere Komplikationen auf, bedeutet das unter Umständen ein lebenslang erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen, erläuterte Prof. Dr. med. Sylvia Stracke, Universitätsmedizin Greifswald, im Rahmen einer Online-Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie.

Hochleistung der Niere in der Schwangerschaft

Die Nieren müssen sich während einer Schwangerschaft stark anpassen, die funktionelle Reserve muss aktiviert werden. Der Gefäßwiderstand im Körper sinkt, die Gefäße – auch in der Niere – erweitern sich und die Filtrationsleistung steigt. Die Durchblutung nimmt um 60 bis 80% zu, die Filterleistung bereits in etwa der neunten Schwangerschaftswoche um etwa 50%, erläuterte Stracke.

Das ist eine echte physiologische Hyperfiltration!

Der Serumkreatinin-Wert sinkt dadurch und ist somit als Parameter zur Bestimmung der Nierenfunktion während der Schwangerschaft nicht geeignet. Ein Wert, der außerhalb einer Schwangerschaft noch als normal gilt, kann dementsprechend bei einer Schwangeren bereits ein Zeichen für eine eingeschränkte Nierenfunktion sein.

Schwangerschaft trotz Nierenerkrankung?

Eine vorgeschädigte Niere kann diese Funktionssteigerung wahrscheinlich nicht in gleichem Maße leisten wie eine gesunde Niere. Das bedeutet jedoch nicht, dass Frauen mit einer Nierenkrankheit nicht schwanger werden sollten. Eine Schwangerschaft sollte aber möglichst geplant sein: So sollten beispielsweise Blutdruck und Blutzucker gut eingestellt sein und es sollte möglichst bereits vorher ein Umstieg auf während der Schwangerschaft geeignete Arzneimittel erfolgen.

Strukturierte Nachsorge bei hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen

2 bis 5% der Schwangeren erleiden eine Präeklampsie – eine hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft, die verschiedene Organe betreffen kann. Eine besonders schwere Komplikation mit hoher Morbidität und Mortalität stellt das sogenannte HELLP-Syndrom dar, das 10 bis 20% aller Frauen mit Präeklampsie betrifft:

  • H – Hämolyse
  • EL – Elevated Liver enzymes (erhöhte Leberwerte)
  • LP – Low Platelet count (Thrombozytopenie)

Selbst wenn sich Frauen nach einer Geburt schnell von dieser Komplikation erholen und Blutdruckwerte im Normalbereich aufweisen, endet die Erkrankung nicht mit der Geburt. Nach einer Präeklampsie besteht langfristig ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine CKD.

Dementsprechend wichtig ist eine strukturierte Nachsorge bei diesen Erkrankungen. In der aktuellen S2k-Leitlinie „Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie“ werden Kontrollen sechs Wochen, sechs Monate und zwölf Monate nach der Geburt empfohlen. Anschließend sollte eine jährliche Vorsorge einschließlich der Kontrolle der Nierenfunktion erfolgen.

Eine Präeklampsie oder ein HELLP-Syndrom gehört zur lebenslangen Krankengeschichte einer Frau.

Quelle

Prof. Dr. med. Sylvia Stracke, Universitätsmedizin Greifswald. Schwangerschaft und Niere: Was Bluthochdruck, Präeklampsie, HELLP-Syndrom und Gestationsdiabetes langfristig bedeuten. Online-Pressekonferenz zur 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN); 6. Oktober 2026.

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