Junge Erwachsene greifen heute deutlich häufiger zu Kokain als noch vor zehn Jahren. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung unter jungen Menschen in Deutschland, die zum diesjährigen Weltdrogentag veröffentlicht wurden. Die gute Nachricht: Die meisten jungen Menschen nehmen keine illegalen Drogen.
Drogenkonsum in Deutschland
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, ehemals BZgA) untersucht mit regelmäßigen Repräsentativbefragungen den Substanzkonsum junger Menschen in Deutschland. Im Zeitraum April bis Juli 2025 (PDF) wurden 7000 Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahren befragt. 2,5% der 12- bis 17-Jährigen gaben an, bereits Erfahrungen mit mindestens einer illegalen Droge zu haben. Zwischen Jungen und Mädchen zeigten sich keine Unterschiede. Bei den 18- bis 25-Jährigen lag der Anteil mit knapp 19% deutlich höher – darunter waren fast doppelt so viele junge Männer wie Frauen (23,8% vs. 12,9%).
Herausforderung: rasch verändernder Drogenmarkt
Wie die Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) in ihrem aktuellen Drogenbericht mitteilt, kommen kontinuierlich neue Cannabisprodukte auf den Markt. Zudem nimmt die Vielfalt angebotener Opioide und Stimulanzien zu: Im Jahr 2025 wurden in Europa erstmalig 50 neue psychoaktive Substanzen gemeldet. Damit überwacht die EUDA inzwischen 1050 verschiedene Substanzen. Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, zeigte sich besorgt über die rasanten Veränderungen im Drogenmarkt.
Junge Menschen kommen leichter an immer potentere Substanzen. Digitale Kanäle beschleunigen diesen Zugang und verharmlosen Risiken, die real und oft lebensgefährlich sind.
Kokainkonsum unter jungen Erwachsenen deutlich gestiegen
Auffällig in der BIÖG-Befragung ist die Entwicklung beim Kokainkonsum unter den 18- bis 25-Jährigen: Im Zehnjahresvergleich stieg der Konsum in dieser Altersgruppe von 1,2 auf 4,1%. Den Trend bestätigen Abwasseranalysen, die im Auftrag der EUDA in deutschen Städten durchgeführt wurden. Europaweit steigt auch die Zahl der Personen, die sich wegen Kokainproblemen in Behandlung begeben, an. Allerdings gelte Kokain vielen noch immer als Party- oder Leistungsdroge. Das sei eine gefährliche Täuschung, so Streeck.
Aus ärztlicher Sicht ist eindeutig: Kokain kann schnell abhängig machen und schwere Schäden an Herz, Gehirn und Psyche verursachen. Kokain zerstört aber auch weit über den einzelnen Konsum hinaus. Jede Linie finanziert kriminelle Netzwerke […]. Wir brauchen deshalb eine ehrliche Prävention, die junge Menschen früher und auf Augenhöhe erreicht, auch im digitalen Raum.
Lachgas-Verkauf an Minderjährige verboten
In der Befragung des BIÖG gaben 1,3% der Jugendlichen und 8,0% der jungen Erwachsenen an, in ihrem Leben schon (mindestens) einmal Lachgas konsumiert zu haben. Der Missbrauch durch Jugendliche soll mit den im April 2026 in Kraft getretenen Änderungen des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes eingeschränkt werden. Demnach wurde der Verkauf von Lachgas an Minderjährige sowie über den Versandhandel oder Automaten verboten.
Weit verbreitet unter Jugendlichen ist mittlerweile der Konsum nikotinhaltiger E-Zigaretten. In der EU wurden inzwischen allerdings E-Zigaretten beschlagnahmt, die synthetische und halbsynthetische Cannabisprodukte enthielten. Der EUDA zufolge gebe dies Anlass zur Sorge, dass E-Zigaretten auch als Träger für andere schädliche Substanzen dienen könnten, darunter neue synthetische Opioide. Letztere gehen mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Vergiftungen einher.
Zum Weiterlesen für unsere Abonnenten
In Ausgabe 1/26 der Psychopharmakotherapie (PPT) ist ein Übersichtsbeitrag von Bendau A, et al. zum Thema „Partydrogen im Überblick. Konsummuster, Wirkungsmechanismen und Risiken“ erschienen.
In der Medizinischen Monatsschrift für Pharmazeuten (MMP) erscheint am 3. Juli ein modifizierter Nachdruck des Beitrags.
Quellen
- Pressemitteilung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) vom 24.06.2026 BIÖG: Weltdrogentag 2026 – Kokainkonsum unter jungen Erwachsenen nimmt zu
- Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) „European Drug Report 2026: Trends and Developments“
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