Die eigenständige Einnahme von Medikamenten erfordert kognitive und körperliche Fähigkeiten, die mit dem Alter abnehmen. Polypharmazie macht es nicht leichter.
Umfrage zeigt die wichtigsten Hürden
Polypharmazie gehört für viele ältere Menschen zum Alltag – und ist oft eine Herausforderung. Eine deutsche Studie mit 102 Personen über 70 Jahren aus einer Hausarztpraxis, die regelmäßig mindestens fünf verschiedene Medikamente anwenden, brachte Schwierigkeiten bei der selbstständigen Durchführung der Medikation ans Licht. Die Teilnehmer beantworteten Fragen zur Einhaltung ihrer Medikation, zum Umgang mit den Arzneimitteln und zu ihrer Einstellung beziehungsweise ihrem Wissen über die Medikamente.
Vergessen, verwechselt, Verpackungsprobleme
53 % der Studienpatienten hielten ihre Medikation nicht vollständig ein, meist wegen Vergesslichkeit. 20 % der Befragten gaben an, ihnen seien Medikamente schon einmal ausgegangen, 5 % berichteten von Verwechselungen. Ganz praktische Probleme traten bei knapp 20 % beim Öffnen von Medikamentenverpackungen auf. Die Darreichungsform von Augentropfen empfanden rund 40 % als schwierig.
Ferner war für 32 % die Abgabe von Generika in der Apotheke mit Schwierigkeiten verbunden, wenn das Aussehen, der Name und die Verpackung von Präparaten variierten.
Altersbedingte Schwierigkeiten
Die Ergebnisse zeigen: Arzneimitteltherapiesicherheit hängt nicht allein von der Verordnung der richtigen Medikamente ab. Entscheidend ist auch die Fähigkeit, Medikamente korrekt zu handhaben und anzuwenden. Altersbedingte Veränderungen von sensorischen und kognitiven Fähigkeiten sowie der Feinmotorik können die Pharmakotherapie erschweren, die sogenannte Medikamentenmanagement-Kompetenz gewinnt daher zunehmend an Bedeutung in der geriatrischen Versorgung.
All diese Aspekte sind für die Sicherheit der Medikamentenanwendung sehr relevant, so die Studienautoren. Auf fast 40 % der älteren Bevölkerung weltweit trifft Polypharmazie zu. Für diese Fälle gilt: Die potenziellen Vorteile der Medikamentenanwendung sollen die potenziellen Schäden überwiegen, ansonsten ist sie als unangemessen zu beurteilen. Unerwünschte Arzneimittelereignisse und Medikamentenschäden sind also möglichst zu verhindern.
Positiv: Sie wissen, was sie nehmen
Die Studie brachte auch gute Ergebnisse ans Licht. Die meisten Befragten bewerteten den Nutzen ihrer Medikamente positiv und kannten deren Zweck. Nur 15 % der Patienten war der Grund für all ihre Medikamente unbekannt und nur 3 % bewerteten die Einnahme als nicht vorteilhaft. 85 % der Studienteilnehmer vertrugen ihre Medikation, 90 % änderten nie eigenständig die Dosierungen. 89 % der Befragten hatten einen vollständigen Medikationsplan vom Hausarzt.
Auch wenn die Studie nur gut 100 Patienten aus einer Praxis einschloss, zeigt sie, wo typische Probleme für ältere Patienten bei ihrer Medikation liegen. Diese Ergebnisse tragen zum besseren Verständnis von Medikamentenmanagement-Problemen aus Sicht der Patienten bei und können Anhaltspunkte für deren Optimierung liefern.
Quellen
Luegering A, Richter T, Lukas A, Langner R, et al. Self-reported problems in medication self-management in older polymedicated patients in general practice. Front. 2026. Public Health 14:1834501. doi: 10.3389/fpubh.2026.1834501.
Universitätsklinikum Essen. Umgang mit Medikamenten: Viele ältere Menschen haben Schwierigkeiten. Pressemitteilung vom 19.06.2026.
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