Welches Antibiotikum bei Harnwegsinfekt?

Leitlinien empfehlen Frauen bei unkomplizierten Infekten der unteren Harnwege eine antibiotische Kurzzeitbehandlung. Welches Antibiotikum in welcher Dosis ist am wirksamsten?

Einmal, zweimal oder länger

Eine pragmatische, multizentrische, offene, randomisierte klinische Studie aus Spanien ermöglichte einen direkten Vergleich verschiedener Kurzzeit-Antibiotikatherapien. Nach dem Zufallsprinzip erhielten erwachsene Frauen mit mindestens einem harnwegsinfektionsspezifischen Symptom (Schmerzen beim Wasserlassen, Harndrang, häufiges Wasserlassen oder Druckempfindlichkeit oberhalb des Schambeins) und einem positiven Urintest auf Nitrite oder Leukozytenesterase einer der folgenden Medikationen:

  • Einmaldosis 3 g Fosfomycin
  • Zweimal 3 g Fosfomycin
  • Nitrofurantoin 100 mg dreimal täglich für 5 Tage oder
  • Pivmecillinam 400 mg dreimal täglich für 3 Tage

Beste Ergebnisse für Nitrofurantoin

Für 720 Teilnehmerinnen konnten Daten ausgewertet werden. Unter der Einzeldosis Fosfomycin erreichte der niedrigste Anteil der Frauen den primären Endpunkt, definiert als das Verschwinden aller Infektionssymptome bis Tag 7. Den höchsten Anteil konnte die Nitrofurantoin-Gruppe verzeichnen. Hier lag der Unterschied zur Einzeldosis-Fosfomycin bei 15,5 Prozentpunkten. Am zweitbesten schnitt Pivmecillinam ab; hier lag die Differenz zum Einmal-Fosfomycin bei 10,9 Prozentpunkten, unter Zwei-Dosis-Fosfomycin bei 8,5 Prozentpunkten. Heilung am siebten Tag erreichten:

  • Nitrofurantoin: 128 (74 %) von 172 Patientinnen
  • Pivmecillinam: 127 (70 %) von 182 Patientinnen
  • Zwei Dosen Fosfomycin: 122 (67 %) von 181 Patientinnen
  • Einzeldosis Fosfomycin: 109 (59 %) von 185 Patientinnen

Nebenwirkungen

Unerwünschte Ereignisse traten unter der Einzeldosis Fosfomycin bei 19,9 % auf, unter zwei Dosen Fosfomycin bei 26,3 %, unter Nitrofurantoin bei 26,8 % und unter Pivmecillinam bei 21,2 %. Meist handelte es sich um leichte, selbstlimitierende gastrointestinale Beschwerden. Ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis, das mit der Studienbehandlung in Verbindung gebracht werden konnte, trat in Form einer Pyelonephritis in der Pivmecillinam-Gruppe auf.

Fazit: Umdenken?

In der S3-Leitlinie „Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI)“ (PDF) heißt es: „Bei der akuten unkomplizierten Zystitis sollte eine antibiotische Therapie empfohlen werden.“ Ferner werden hier Fosfomycin-Trometamol und Pivmecillinam in die Evidenzklasse Ia eingeordnet, Nitrofurantoin unter Ib.

Die fünftägige Nitrofurantoin-Gabe erwies sich in der vorliegenden Studie als die effektivste Therapie für unkomplizierte Harnwegsinfektionen. Die in Deutschland weitverbreitete Anwendung einer Fosfomycin-Einzeldosis war am wenigsten wirksam.

Aufgrund dieser Ergebnisse schlagen die Studienautoren vor, die Rolle von Fosfomycin als Erstlinien-Antibiotikum für unkomplizierte Harnwegsinfektionen neu zu bewerten.

Quelle

Llor C, Monfà R, Garcia-Sangenís A, et al. Clinical and bacteriological effectiveness of three different short-course antibiotic regimens and single-dose fosfomycin for uncomplicated lower urinary tract infections in women (SCOUT): a pragmatic, multicentre, open-label, randomised clinical trial. Lancet. 2026;407:1603–1613.

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