CGRP-Inhibitoren haben die Migränetherapie revolutioniert. Dass die Arzneimittel auch die Augengesundheit positiv beeinflussen könnten, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie.
Verringertes Glaukomrisiko
In die multinationale, retrospektive Kohortenstudie wurden erwachsene Migränepatienten mit Prophylaxemedikation eingeschlossen. Es erfolgte eine Einteilung nach Medikation mit CGRP(Calcitonin Gene-related Peptide)-Inhibitoren oder Nicht-CGRP-Inhibitoren (z.B. Valproat, Topiramat). Zu den CGRP-Inhibitoren gehörten Antikörper und Gepante. Nach einem 1:1 Propensity Score Matching wurden die Patienten für drei Jahre nachverfolgt und die Inzidenz für Glaukome gemessen.
Insgesamt wurden 73.644 Patienten in die finale Analyse eingeschlossen. Über einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren traten dabei 153 Glaukome (0,42%) unter CGRP-Inhibitoren und 223 Glaukome (0,61%) in der Vergleichsgruppe auf. Das Hazard-Ratio lag bei 0,75 zugunsten der CGRP-Inhibitoren (95%-Konfidenzintervall 0,61–0,92). Interessanterweise war das verringerte Risiko lediglich unter monoklonalen Antikörpern messbar, nicht aber unter Gepanten (Hazard-Ratio 0,77 vs. 1,07).
Rolle von CGRP im Auge
Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Migräne auch mit einem erhöhten Risiko für Glaukome in Verbindung stehen könnte. Dabei ist CGRP, das eine Schlüsselrolle in der Migräne-Pathophysiologie spielt, auch an der Regulation des Gefäßtonus und der neurogenen Entzündung beteiligt. Insgesamt könne dies zu einer Entstehung des Glaukoms beitragen, so die Autoren. Darüber hinaus ist CGRP in den sensorischen Nerven und im Gefäßsystem des Auges weit verbreitet. In Tierexperimenten konnte außerdem gezeigt werden, dass CGRP den Augeninnendruck erhöht. All diese Punkte stärken die Idee von CGRP-Inhibitoren als möglichen therapeutischer Ansatz für beide Erkrankungen. Für die abweichenden Effekte zwischen CGRP-Antikörpern und Gepanten auf das Glaukomrisiko könnten, so die Autoren, pharmakokinetische Gründe verantwortlich sein. Um die Wirksamkeit von CGRP-Antikörpern auf das Glaukomrisiko allerdings bestätigen zu können, sind prospektive Studien notwendig, schlussfolgern die Studienautoren.
Quelle
Chou CC, Wu JW, Lin HJ, Wang IJ, Pan SY, Weng CH. Glaucoma Risk Associated With Calcitonin Gene-Related Peptide Inhibitor Use in Migraine: A Multinational Cohort Study. Neurology. 2026;106(11):e218035. doi:10.1212/WNL.0000000000218035.
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