Gefäße benötigen auch im Sommer Unterstützung und ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, um ihnen im Notfall zügig helfen zu können. Denn mit funktionstüchtigen Gefäßen lebt es sich leichter. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin hatte zu diesem Anlass Experten zu einer Pressekonferenz geladen.
Gut vorbereitet abheben
Wenn das Fernweh über den Alltagstrott hinweg rollt, freuen sich viele auf den Sommerurlaub. Langstreckenflüge gehören häufig dazu. Das sollte aber auch für einige Maßnahmen zutreffen, denn auf Flugreisen sind wir längere Zeit am Stück immobil, wodurch das Blut in den Beinen versackt. Gleichzeitig neigen wir dazu, zu wenig zu trinken, wodurch das Blut dicker wird – beides Risikofaktoren für eine Thrombenbildung.
Als Maßnahmen empfiehlt Priv.-Doz. Dr. med. Carola Hoffmann-Wieker, Speyer, regelmäßige Bewegung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wenn Aufstehen im Flugzeug nicht möglich sein sollte, können Fuß- und Wadenübungen als Alternative dienen, bei denen die Muskelpumpe aktiviert wird. Wasser als Getränk ist die beste Wahl, aber auch Tomaten- oder Fruchtsaft könne mit den enthaltenen Mineralstoffen punkten. Kaffee und Alkohol dagegen sind harntreibend und entziehen dem Körper Wasser, weshalb sie auf Flugreisen nur in Maßen genossen werden sollten. Menschen mit erhöhtem Thromboserisiko können auch von Kompressionsstrümpfen profitieren.
Ansprechpartner zur Abklärung der nötigen Präventionsmaßnahmen kann dabei neben dem medizinischen auch das pharmazeutische Personal sein. Apotheker sind wichtige Fachmänner und Fachfrauen, die mit den Ärzten gemeinsam ihre Patienten sehr gut aufklären können, wie Hoffmann-Wieker betonte.
Treten Symptome wie Beinschmerzen, Rötungen und Wärme, gerade auch bei einseitigen Beschwerden, oder aber Brustschmerzen, Atemnot oder Kreislaufprobleme auf, sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden – auch noch nach der Flugreise, denn die Beschwerden können zeitlich verzögert auftreten.
Hot Topic: Schlaganfall
Doch auch die heimische Sommerhitze setzt so manch einem zu, denn schon eine Erhöhung der Umgebungstemperatur um ein Grad kann die Sterblichkeit aufgrund eines Schlaganfalls merklich erhöhen. Etwa neun von 1000 Todesfällen durch einen Schlaganfall ereignen sich aufgrund von extremer Hitze, denn diese kann verschiedene Auswirkungen auf den Körper haben. Der Körper verliert durch Schwitzen sowohl Wasser als auch Elektrolyte. Die nachfolgende Dehydratation sowie Hämokonzentration begünstigen die Thrombenbildung. Aber auch unser Endothel leidet unter der Hitze. In einer Kaskadenreaktion kann es zur Gerinnselbildung und somit auch zu einem Gefäßverschluss kommen. Wichtigste Präventivmaßnahmen: ausreichend trinken sowie kühle Rückzugsorte.
Beschwingten Schrittes trotz Diabetes mellitus
Für Menschen mit Diabetes mellitus ist geeignetes Schuhwerk Pflicht, also beispielsweise weite, bequeme Schuhe möglichst ohne Innennähte. Barfußlaufen ist zwar eigentlich ein gesundes Fußtraining, aber diabetische Neuropathien bewirken, dass Diabetes-Patienten Hitze oder Verletzungen nicht ausreichend spüren können. Gleichzeitig haben die Patienten ein erhöhtes Risiko für Durchblutungsstörungen, die die Wundheilung beeinträchtigen. Deshalb sollten die Füße inklusive Fußsohle täglich kontrolliert und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen getroffen werden.
Quelle
Professor Dr. med. Farzin Adili, Darmstadt, Privatdozentin Dr. med. Yvonne Goßlau, Augsburg, Privatdozentin Dr. med. Carola Hoffmann-Wieker, Speyer, und Dr. med. Siamak Pourhassan, Oberhausen. Gesundheitsgefahren im Sommer durch gestresste Gefäße – worauf zu achten ist. Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. am 8. Juni 2026.
Bildquelle
MASmaker – stock.adobe.com