GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Inhibitoren bei Typ-1-Diabetes

Nicht alle Typ-1-Diabetiker können mit Insulin zufriedenstellend behandelt werden. Gemäß einer aktuellen Studie könnten für diese Patienten zukünftig GLP-1-Analoga und SGLT2-Inhibitoren eine zusätzliche Behandlungsoption darstellen.

Zusatztherapien für Typ-1-Diabetiker

In Deutschland leben aktuell rund 11 Millionen Menschen mit Diabetes, der Großteil davon mit Typ-2-Diabetes. Typ-1-Diabetiker sind dagegen knapp 380.000 (davon 37.000 Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 20 Jahren). Jährlich erkranken rund 4.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre neu an Typ-1-Diabetes.

Eine Insulintherapie ist für Typ-1-Diabetiker unverzichtbar. Trotzdem erreichen damit nicht alle Erkrankten eine optimale Blutzuckereinstellung und Komplikationen wie Hypoglykämie, Gewichtszunahme und Blutzuckerschwankungen erschweren die Behandlung.

Eine zusätzliche Anwendung von GLP-1-Analoga oder SGLT2-Inhibitoren, die bisher in erster Linie bei Typ-2-Diabetikern zum Einsatz kommen, könnte die Blutzuckerkontrolle verbessern und den Insulinbedarf senken. Es bestehen jedoch weiterhin Sicherheitsbedenken, insbesondere hinsichtlich der diabetischen Ketoazidose.

In einer aktuellen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus 90 Studien wurden die Wirksamkeit und Sicherheit dieser beiden Wirkstoffgruppen bei Typ-1-Diabetes analysiert.

Blutzuckerkontrolle verbessert

Beide Wirkstoffgruppen verbesserten die glykämischen Kontrolle. GLP-1-Rezeptorantagonisten senkten den HbA1c-Wert (–0,56 Prozentpunkte) und reduzierten den täglichen Gesamt- und Basalinsulinbedarf, das Körpergewicht (–3,6 kg) und den Body-Mass-Index (BMI) (–1,05 kg/m²).

Unter SGLT2-Rezeptorantagonisten sanken ebenfalls der HbA1c-Wert (–0,38 %), das Körpergewicht (–2,5 kg) und der BMI (–0,82 kg/m²) signifikant.

Beide Wirkstoffgruppen verlängerten die Zeit, in der sich der Blutzuckerspiegel im Zielbereich befand („Time-in-Range“), signifikant war dies allerdings nur unter den SGLT2-Inhibitoren (+8,6 Prozentpunkte vs. +2,46 Prozentpunkte unter GLP-1-Analoga).

Nebenwirkungsprofil

Unter GLP-1-Rezeptorantagonisten traten selten schwere Hypoglykämien und diabetische Ketoazidosen auf. Am häufigsten waren gastrointestinale Nebenwirkungen, die bei Therapieabbruch meistens die Ursache waren. Unter SGLT2-Inhibitoren waren schwere Hypoglykämien selten, während das Risiko einer diabetischen Ketoazidose erhöht war. Todesfälle und Krankenhausaufenthalte waren in beiden Gruppen selten.

Renale und kardiovaskuläre Effekte waren neutral bis positiv. Die begrenzte Anzahl von Typ-1-Diabetes-spezifischen Studien, die kurzen Nachbeobachtungszeiten und die niedrigen Ereignisraten lassen allerdings noch keine endgültigen Schlussfolgerungen zu. Dennoch ist das Fehlen negativer renaler oder kardiovaskulärer Signale beruhigend für Kliniker, die diese Wirkstoffe bei Typ-1-Diabetes einsetzen wollen.

Therapie für begrenzte Patientengruppe

Die eingeschlossenen Studien waren sehr heterogen hinsichtlich Wirkstoffdosierungen, Insulin-Art, -Regimen und Devices sowie Outcomes. Somit ist die Generalisierbarkeit der Ergebnisse begrenzt. Die Autoren sehen in diesen Zusatztherapien insbesondere eine Chance für Patienten mit Adipositas, hohem Insulinbedarf oder problematischer glykämischer Variabilität. Einen breiten Einsatz sehen sie anhand der Ergebnisse aktuell nicht. Wichtig ist, dass diese Substanzen nicht als Ersatz für eine optimierte Insulintherapie, sondern als Ergänzung gedacht sind. Zudem müssten zukünftige Studien die Patientengruppen identifizieren, die besonders von der Zusatztherapie profitieren könnten. Vergleichsstudien zu GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Inhibitoren bei Typ-1-Diabetes wären ebenfalls von Vorteil.

Quelle

Abdel-Rahman SM, et al. Efficacy and safety of GLP-1 receptor agonists and SGLT2 inhibitors as adjuncts to insulin in type 1 diabetes: Systematic review and meta-analysis. Diabetes Obes Metab. 2026;28(4):3165–3181.

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