Welche Arzneimittel lösen Juckreiz aus? Eine großangelegte Analyse wertete aus, für welche Substanzen ein kausaler Zusammenhang wahrscheinlich ist.
Allgemeinverdacht versus Fallbericht
Hinter nichtallergischem, chronischem Pruritus ohne Hautläsionen kann als systemische Ursache eine Pharmakotherapie stehen. Anhaltender Juckreiz kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, psychische Begleiterkrankungen hervorrufen und natürlich die Therapieadhärenz beeinflussen. Medikamenteninduzierter Juckreiz kann mehrere Wochen bis Monate nach Behandlungsbeginn auftreten und ist als häufige Nebenwirkung in zahlreichen Fachinformationen genannt.
Welche Wirkstoffe in der Praxis tatsächlich häufig zu generalisiertem Pruritus führen, sollte eine Analyse der Pharmakovigilanzdatenbank der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit mehr als 37 Millionen Einzelfallberichten aus über 130 Ländern ans Licht bringen. Gesucht wurde nach nichtallergischen, nichtdermatologischen und nichtnierenbedingten Ursachen unter einer einzelnen systemisch verabreichten verdächtigen Medikation.
Alte Bekannte und Überraschungen
Es wurden 268.799 Fälle identifiziert. Bei 3847 davon trat nach Absetzen und erneuter Wiedereinführung der Substanz wieder Pruritus auf („positive Rechallenge“). Die Analyse dieser Untergruppe beschrieb genau wie die Gesamtauswertung typische Verdächtige wie Antibiotika, Analgetika und antineoplastische Wirkstoffe als Auslöser für Juckreiz. Als Arzneimittelklassen, die am wahrscheinlichsten verantwortlich mit Pruritus assoziiert waren, stellten sich heraus:
- Systemische Antibiotika, insbesondere Sulfamethoxazol, Trimethoprim, Ceftriaxon und Amoxicillin
- Analgetika, insbesondere Tramadol, Paracetamol und Metamizol
- Antineoplastische Mittel, insbesondere Oxaliplatin, Carboplatin und Rituximab
- Lipidsenker, insbesondere Simvastatin, Atorvastatin und Gemfibrozil
- Antimykotika, insbesondere Pyrazinamid und Rifampicin
- Magensäureblocker, insbesondere Omeprazol und Ranitidin
- Antirheumatika, insbesondere Rofecoxib (in Deutschland nicht mehr im Handel) und Piroxicam
Die Ergebnisse bestätigen laut Studienautoren einige gut etablierte Zusammenhänge und identifizieren darüber hinaus neue Pruritus-assoziierte Klassen, etwa Statine, Antazida und Mittel gegen Tuberkulose. Weitere Wirkstoffklassen, die in der Gesamtauswertung häufig mit Juckreiz in Verbindung gebracht werden, für die sich aber in der Subgruppenanalyse eine geringere Wahrscheinlichkeit ergab, sind:
- Impfstoffe, insbesondere gegen COVID-19 und Influenza
- Immunsuppressiva, insbesondere Adalimumab, Lenalidomid, Dimethylfumarat, Etanercept und Apremilast
- Kontrastmittel, insbesondere Iohexol, Iopamidol, Iopramid und Iomeprol
Diese Beobachtungsstudie soll helfen, über bekannte Medikamente aufzuklären und weniger bekannte Zusammenhänge aufzuzeigen. Hiervon können die kausale Beurteilung und die Pruritusbehandlung und damit letztendlich die Patientenversorgung profitieren.
Quelle
Kondor L, Cicala G, Salvo F, Clabecq C et al. Drugs associated with generalized nonallergic pruritus: A World Health Organization pharmacovigilance database analysis. J Am Acad Dermatol. 2026, ISSN 0190-9622. https://doi.org/10.1016/j.jaad.2026.02.012 (Zugriff am 15.04.2026).
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