In einer aktuellen Studie aus Costa Rica wurde der Impfschutz einer einfachen und zweifachen HPV-Impfung verglichen. Das Ergebnis: Auch die einfache Dosis bietet ausreichend Schutz gegen Infektionen mit Viren der Typen 16 und 18.
Vermeidbare Karzinome
Etwa 77% aller Zervixkarzinome weltweit gehen auf Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) der Typen 16 und 18 zurück. Doch nicht nur Frauen sind gefährdet, auch andere Krebsarten wie Oropharynx- oder Analkarzinome können HPV-Infektionen zur Ursache haben. Umso wichtiger ist ein ausreichender Impfschutz bereits im frühen Jugendalter. Ob dabei auch eine Impfdosis ausreichend Schutz bietet, war die Fragestellung einer aktuellen Untersuchung aus Costa Rica.
Einfache Dosis nicht unterlegen
Für die Studie wurden insgesamt 20.330 Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren 1:1:1:1 auf folgende Gruppen randomisiert:
- Eine Dosis des bivalenten Impfstoffs
- Zwei Dosen des bivalenten Impfstoffs
- Eine Dosis des nonavalenten Impfstoffs
- Zwei Dosen des nonavalenten Impfstoffs
Die zweite Impfung wurde jeweils sechs Monate nach der ersten verabreicht, wobei Patienten, die den Gruppen mit einfacher HPV-Impfdosis zugeordnet waren, stattdessen eine Tetanus-, Diphtherie- oder Pertussis-Impfung erhielten, um die Verblindung zu gewährleisten. Als primärer Endpunkt galt eine Neuinfektion mit den HPV-Typen 16 oder 18 zwischen Monat 12 und 60, die für mindestens sechs Monate anhielt. Die vordefinierte Nichtunterlegenheitsgrenze lag bei 1,25 Infektionen pro 100 Teilnehmerinnen. Die Patientinnen wurden fünf Jahre lang alle sechs Monate nachuntersucht. Mädchen unter 15 Jahren wurden bis zu ihrem 15. Geburtstag jährlich und anschließend alle sechs Monate untersucht.
Für beide Impfstoffe konnte die Nichtunterlegenheit der einfachen Dosis bezüglich HPV-16- und -18-Infektionen nachgewiesen werden. Beim bivalenten Impfstoff betrug der Unterschied zwischen einer und zwei Impfungen –0,13 Infektionen pro 100 Teilnehmerinnen, beim nonavalanten Impfstoff 0,21 Infektionen. Insgesamt lag die Wirksamkeit der Impfstoffe bezüglich HPV-16- und -18-Infektionen in allen vier Gruppen bei mindestens 97%, wie der Vergleich mit einer ungeimpften Gruppe mit 3005 Patientinnen zeigte. Diese ungeimpfte Gruppe wurde durch eine nicht-randomisierte Umfrage rekrutiert.
Die Empfehlungen gehen auseinander
Den Ergebnissen der Studie zufolge scheint eine Impfdosis ausreichend Schutz gegenüber HPV-Infektionen der Typen 16 und 18 zu gewährleisten. Diese Erkenntnis deckt sich mit dem Positionspapier der World Health Organization (WHO) aus 2022, in dem eine einfache Impfung als alternative Off-Label-Empfehlung bei Jungen und Mädchen zwischen 9 und 20 Jahren aufgeführt wird. Die überwiegende Mehrheit der Impfkommissionen in Europa empfiehlt aktuell jedoch weiterhin das 2-Dosen-Impfschema für 9- bis 14-Jährige bzw. 3-Dosen-Schema für 15- bis 17-Jährige, so die Angaben des Robert Koch-Instituts aus April 2025.
Quelle
Kreimer AR, Porras C, Liu D, et al. Noninferiority of One HPV Vaccine Dose to Two Doses. N Engl J Med. 2025;393(24):2421-2433. doi: 10.1056/NEJMoa2506765.
Bildquelle
fotoyou – stock.adobe.com