L-Thyroxin ist kein Lifestyle-Produkt!

Das Prodrug zählt zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in Deutschland. Liegt das an einer übermotivierten Verordnung? Und welche Fehlerquellen lauern bei der Einnahme von L-Thyroxin?

L-Thyroxin für wen?

Levothyroxin oder L-Thyroxin dient als Vorstufe für das Schilddrüsenhormon Triiodothyronin (T3). Es ist unter anderem indiziert bei den schätzungsweise 4 bis 8 Millionen Menschen in Deutschland mit Schilddrüsenunterfunktion. „Die Dosierung orientiert sich am Körpergewicht und sollte regelmäßig über den Laborwert TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon) kontrolliert werden“, erklärte Prof. Dr. med. Joachim Feldkamp, Bielefeld, auf einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Bei einer zu niedrigen Menge bleiben Beschwerden der Unterfunktion bestehen. Ist die Dosis jedoch zu hoch, kann der Körper in eine Überfunktion geraten. „Dann drohen Herzrasen, Schlaflosigkeit oder Herzrhythmusstörungen – im Extremfall Vorhofflimmern.“

Bitte morgens nehmen

Die Wirkung ist am zuverlässigsten bei der Einnahme auf nüchternen Magen. Da viele Lebensmittel, besonders Kaffee, Tee und calciumhaltige Produkte, die Aufnahme behindern, wird L-Thyroxin am besten 20 bis 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen. „Wenn jemand morgens direkt nach dem Aufstehen Kaffee trinkt oder wenn der TSH-Wert trotz Dosissteigerung zu hoch bleibt, ist das nach ärztlicher Absprache auch abends zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit möglich“, so der Experte.

Nicht bei Schilddrüsenknoten

Die Therapie beeinflusst weder das Entstehen noch die Größe der Knoten, betonte Feldkamp.

Für die Verordnung zur Behandlung von Schilddrüsenknoten gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.“

Besonders ältere Menschen würden dadurch unnötig einem Risiko ausgesetzt: Eine Überdosierung kann das Herz belasten und zu kardiovaskulären Ereignissen führen. Der Experte plädierte dafür, das Präparat abzusetzen, wo es nicht notwendig ist.

L-Thyroxin gegen alles?

Trotz unveränderter Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen stieg die Verschreibung von L-Thyroxin in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren um mehr als 30 %. Häufig wird es schon bei leicht erhöhten TSH-Werten verordnet, etwa bei unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit oder Gewichtszunahme. Solche Symptome können viele Gründe haben, nicht automatisch eine Schilddrüsenunterfunktion.

Kritisch sieht Feldkamp außerdem das Verordnen auf Basis eines einzigen Laborwertes statt die klinische Gesamtsituation oder Verlaufskontrollen abzuwarten. Nur durch eine ausführliche Diagnose sei eine Schilddrüsenunterfunktion eindeutig belegt und eine L-Thyroxin-Gabe gerechtfertigt.

Quelle

Prof. Dr. med. Joachim Feldkamp, Bielefeld. L-Thyroxin: über Dosierung, Präparate und aktuelle Entwicklungen. Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE) am 27. November 2025.

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