Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) sind nach wie vor häufig. Die Kommission für Infektionskrankheiten & Impffragen des Bündnisses Kinder- und Jugendgesundheit e.V. spricht sich in einer Stellungnahme für eine frühe Impfung gegen HPV aus, berichtete Kommissionsmitglied Priv.-Doz. Dr. Julia Tabatabai beim Kongress für Kinder- und Jugendmedizin 2025.
Zahlreiche Krebserkrankungen durch HPV
Humane Papillomviren werden durch engen Körper- und Sexualkontakt übertragen und die Infektion verläuft meist symptomlos und unbemerkt. Infiziert sind Epithelzellen der Haut und Schleimhaut.
Registerdaten von 2021 zeigen jedoch, dass in Deutschland etwa 10.000 bis 11.000 neue HPV-bedingte Karzinome auftreten. Bei rund 34% der jungen ungeimpften Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren sind im Zervikovaginalabstrich Hochrisiko-HPV (16, 18) nachweisbar. Bei Männern im gleichen Alter lassen sich bei ebenfalls etwa 34% verschiedene HPV im Penisabstrich nachweisen.
Die STIKO empfiehlt seit 2007 die Impfung für Mädchen und seit 2018 auch für Jungen, aktuell im Alter von 9 bis 14 Jahren bzw. eine Nachholimpfung bis zum 18. Geburtstag. Der beste Schutz besteht, wenn sie vor Virus-Exposition erfolgt. Die Impfserie sollte dementsprechend vor Aufnahme sexueller Kontakte verabreicht werden und besteht bei unter 15-Jährigen aus zwei Impfdosen. Über 15-Jährige benötigen eine dritte Dosis.
Hohes Alter bei Erstimpfung, Niedrige Impfquoten
Im Alter von 15 Jahren sind in Deutschland nur 55% der Mädchen und 24% Jungen vollständig geimpft. Zum 12. Geburtstag sind es nur 17,4% und 11,2%. Das mediane Alter bei Erstimpfung liegt bei 13 Jahren. Seit der Pandemie gab es überdies keine Steigerung der Quoten mehr.
Die Impfquoten sind in Deutschland leider erschreckend niedrig!
Hier bietet ein früher Impfstart möglicherweise Chancen zur Verbesserung. Zum einen werden bei 9- bis 10-Jährigen hohe Antikörperkonzentrationen und ein langanhaltender Impfschutz erreicht – es gibt keinen Hinweis auf nachlassende Wirkung.
Registerdaten aus verschiedenen Ländern zeigen insgesamt eine hohe Effektivität gegen Infektionen, Genitalwarzen, Präkanzerosen und Karzinome insbesondere bei frühem Impfbeginn. Überdies profitieren insbesondere Mädchen aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen.
Zum anderen sind jüngere Kinder oft besser durch Routineversorgung erreichbar, um ein entsprechendes Impfangebot zu unterbreiten. Überdies sind deutsche Kinder bei ersten sexuellen Kontakten mit 14 Jahren relativ jung, sodass eine frühere Impfung ebenfalls sinnvoll ist.
Umsetzen in die Praxis
In Deutschland gibt es kein strukturiertes Programm und die Impfung erfolgt in Arztpraxen. Arztbesuche nehmen jedoch erfahrungsgemäß mit zunehmendem Alter der Kinder ab. Zudem begünstigt eine frühe Erstimpfung den Abschluss der Impfserie. Außerdem akzeptieren die Eltern jüngerer Kinder die Impfung eher als Standardimpfung und assoziieren sie weniger mit Sexualität, was für Eltern häufig ein Problem darstelle, so Tabatabai.
Vorsorgeuntersuchungen sind eine wichtige Impfchance.
Die U11 im Alter von 9 bis 10 Jahren wird bisher nur als Selektivleistung angeboten, die J1 bei 12- bis 14-Jährigen wird nur wenig in Anspruch genommen. Weniger als die Hälfte der Jugendlichen in diesem Alter nehmen teil. Dabei wirkt sich diese Vorsorgeuntersuchung extrem positiv auf die Impfquote aus: 12-jährige Mädchen, die teilnahmen, waren siebenmal häufiger gegen HPV geimpft.
Geplant ist eine flächendeckende neue U10 für 9- bis 10-Jährige, bei der auch eine gezielte Beratung zur HPV-Impfung vorgesehen ist.
Generell riet Tabatabai dazu, Arztbesuche von Jugendlichen für die Aufklärung zur HPV-Impfung zu nutzen. Da es kaum strukturierte Anlässe für Arztbesuche in diesem Alter gebe, sollte jede Chance genutzt werden, die Jugendlichen zu erreichen.
Quelle
Priv.-Doz. Dr. Julia Tabatabai. HPV-Impfung ab 9 Jahren: warum frühzeitig impfen sinnvoll ist. Kongress für Kinder- und Jugendmedizin 2025.
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