Seltorexant als neue Option gegen schlaflose Nächte

Seltorexant konnte in einer Studie gute Effekte bei Schlaflosigkeit erreichen. Bei dem neuen Wirkstoff handelt es sich um einen selektiven Orexin-2-Rezeptorantagonisten.

Selektiv statt dual

Schlaflosigkeit ist ein häufiges Problem, verbunden mit einem erhöhten Risiko für Tagesschläfrigkeit, Unfälle, depressive Störungen sowie Insulinresistenz. Darüber hinaus schmälern durchwachte Nächte die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. Bislang angewandte Substanzen gegen Schlaflosigkeit erzielen nicht immer befriedigende Ergebnisse oder bringen Begleiteffekte wie ein „Hangover“ und mögliche Entzugserscheinungen beim Absetzen mit sich. Manche Schlafmedikation kann für Senioren außerdem ein erhöhtes Risiko für Stürze und kognitive Beeinträchtigungen bedeuten. Daher besteht ein Bedarf an Alternativen.

Es gibt bereits Antagonisten, die sowohl Orexin-1- als auch Orexin-2-Rezeptoren ansprechen. Sie sollen unter anderem eine Wirkung auf die Übererregung (Hyperarousal) erzielen, die als Schlüssel für Schlaflosigkeit gilt. Seltorexant adressiert als selektiver Orexin-2-Rezeptorantagonist nur einen Rezeptor. Dahinter stehen Vermutungen, dass dies für eine Verbesserung von Schlafeinleitung und -verlängerung ausreicht. Zudem zeigten duale Antagonisten Nachteile bezüglich der Schlafphasen.

20 mg Seltorexant war Zolpidem überlegen

An einer randomisierten klinischen Studie nahmen 364 Erwachsene mit Schlaflosigkeit, die nicht mit einer psychiatrischen Komorbidität zusammenhing, teil. Hierbei verglichen die Forschenden Seltorexant mit Placebo und dem gängigen Wirkstoff Zolpidem. Die Probanden erhielten 14 Tage lang zur Nacht Seltorexant 5, 10 oder 20 mg oder ein Placebo oder Zolpidem 5 oder 10 mg.

Für Seltorexant ergab sich eine statistisch signifikante Dosis-Wirkungs-Beziehung in der ersten Nacht zwischen der Latenzzeit zu anhaltendem Schlaf und dem Aufwachen nach Schlafbeginn in den ersten sechs Stunden (WASO-6). Vorteile bezüglich der Schlafeinleitung zeigten sich bereits in der ersten Nacht unter 10 und 20 mg Seltorexant im Vergleich zu Placebo und für 20 mg Seltorexant im Vergleich zu Zolpidem.

Vielversprechende Ergebnisse

Sekundäre Endpunkte wie die Verbesserungen von anhaltendem Schlaf und im Score WASO-6 in Nacht 13 wurden ebenfalls unter Seltorexant 10 und 20 mg erreicht, die Überlegenheit gegenüber Zolpidem war hier aber geringer. In Nacht 13 verbesserte Seltorexant 10 und 20 mg im Vergleich zu Zolpidem die Latenzzeit um 30 bzw. 28 %. Seltorexant 20 mg verbesserte den WASO-6 um 31 %.

Zudem wurden Verbesserungen in Schlafeinleitung und -erhaltung während der gesamten 14-tägigen Seltorexant-Behandlung erfasst. Alle drei Seltorexant-Gruppen zeigten im Vergleich zu Placebo zu allen untersuchten Zeitpunkten Verbesserungen bei der subjektiven Bewertung in Form eines Schlaftagebuchs. Der Wirkstoff wurde im Allgemeinen gut vertragen. Therapiebedingte unerwünschte Ereignisse wie Kopfschmerzen traten unter Seltorexant im Vergleich zu Placebo und Zolpidem seltener auf.

Insgesamt ergaben sich für die primären und wichtigsten sekundären Endpunkte statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserungen für die Probanden mit Seltorexant 10 und und 20 mg im Vergleich zu Placebo. Die Effekte hielten an bis Nacht 13, ohne Hinweise auf eine entwickelte Toleranz.

Quelle

Mesens S, Krystal AD, Melkote R, et al. Efficacy and Safety of Seltorexant in Insomnia Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. Published online August 13, 2025. doi:10.1001/jamapsychiatry.2025.1999.

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