Auch Familien mit Kindern steuern zunehmend Fernreiseziele an. Einige dieser Ziele bedürfen einer besonderen reisemedizinischen Versorgung. Wie gut vorbereitet Familien mit Kindern auf diese Reisen gehen, zeigte eine Umfrage bei Reiserückkehrern am Frankfurter Flughafen. Die Ergebnisse stellte Dr. Jonathan Remppis vom Universitätsklinikum Tübingen beim Kongress für Kinder- und Jugendmedizin 2025 vor.
Fernreise als Familienreise
Für viele Fernziele ist eine besondere reisemedizinische Vorbereitung für alle Reisenden sinnvoll. Es gibt jedoch auch spezifische Risiken für Kinder wie ein unreifes Immunsystem sowie fehlendes Risikobewusstsein. Es sind zwar effektive Präventionsmaßnahmen, zum Beispiel Impfungen, verfügbar, wie gut diese aber wirklich umgesetzt werden, ist nicht immer klar.
Um das herauszufinden, führten Remppis und seine Kollegen in Kooperation mit dem medizinischen Dienst der FraPort AG eine Umfrage am Frankfurter Flughafen durch. Medizinstudenten befragten Reiserückkehrer mit Kindern unter 18 Jahren nach der Landung an der Gepäckausgabe zu ihren Reisezielen, Erkrankungen während des Aufenthalts und medizinischen Präventionsmaßnahmen.
Umfrage unter Reiserückkehrern
Da die Umfrage vorwiegend in den Sommer- und Winterferien stattfand (Juli 2024 bis Januar 2025), waren gut Dreiviertel der 333 Kinder aus 208 Familien im Schulalter (6 bis 17 Jahre). Viele kamen aus Südostasien und insbesondere Thailand zurück, aber auch Indien, das östliche und südliche Afrika sowie Südamerika waren unter den Zielen vertreten.
Nur gut 70 % der Befragten hatten sich vor Reisebeginn überhaupt über medizinische Risiken informiert. Hauptinformationsquellen waren der Kinderarzt, der Hausarzt und das Internet. Es hatte jedoch nur kleiner Anteil Spezialisten wie ein Tropeninstitut oder Reisemediziner aufgesucht.
Impfungen
Etwa 30% gaben an, dass ihre Kinder im Vorfeld der Reise geimpft worden seien. Die häufigste Impfung war gegen Hepatitis A, gefolgt von jenen gegen Typhus, Tollwut, Hepatitis B und Gelbfieber.
Remppis berichtete, dass darüber hinaus zahlreiche Eltern angaben, dass ihre Kinder diese Impfungen bereits zu einem früheren Zeitpunkt erhalten hatten. Er bezweifle jedoch, dass dies wirklich vollumfänglich geschehen sei.
Malariaprophylaxe und Stand-by-Therapie
Die Reisenden wurden außerdem nach ihrem Risiko für Malariaerkrankungen und ihrem Umgang damit betrachtet. 32 Familien wurden als solche identifiziert, die ein hohes Malaria-Risiko während ihrer Reise hatten, aber nur in 20 der Familien hatten die Kinder eine Malaria-Prophylaxe erhalten.
Hauptgründe dafür waren, dass die Notwendigkeit nicht gesehen wurde, beziehungsweise man der Überzeugung war, gar nicht in einem Malariagebiet zu reisen. Auch die Sorge vor möglichen Nebenwirkungen wurde häufiger genannt. Ein weiterer großer Teil berief sich auf eine stattdessen mitgeführte Standby-Therapie. Letztere wird vom Ständigen Ausschuß Reisemedizin (StAR) der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) explizit bei Kindern nicht empfohlen.
Der StAR rät ausdrücklich davon ab, mit Kindern an einen Ort zu reisen, an dem das nächste Krankenhaus mehr als 48 Stunden entfernt ist, was das Mitführen einer NSB bedingen würde. Bei Auftreten von Fieber bei einem Kind während oder nach dem Aufenthalt in einem Malariaendemiegebiet sollte unverzüglich medizinische Hilfe zur Verfügung stehen und aufgesucht werden.
Es wurden in der Umfrage keine Malariafälle angegeben, da die Interviews aber direkt nach Rückkehr stattfanden, besteht die Möglichkeit für einen späteren Ausbruch.
Weitergehende Beratung notwendig
Remppis resümierte, dass fernreisende Familien medizinische Präventionsmaßnahmen nur unzureichend anwenden und das Aufklärung proaktiv angeboten werden sollte. Wichtig sei auch eine Schulung der beratenden Ärzte, da diese eine häufige Anlaufstelle für die Familie waren, aber teilweise nicht sinnvolle Informationen gegeben hatten. So war beispielsweise die nicht empfohlene Standby-Therapie häufig von den konsultierten Ärzten angeraten worden.
Zudem sollten Fachgesellschaften leichter abrufbare Informationen für fernreisende Familien zur Verfügung stellen.
Quelle
Dr. Jonathan Remppis, Tübingen. Reisemedizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Eine Flughafenumfrage. Kongress für Kinder- und Jugendmedizin 2025.
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