Warum die alleinige BMI-Bestimmung in der Adipositas-Diagnostik überholt ist, war Teil einer Pressekonferenz anlässlich des Kongresses für Adipositas und Essstörungen 2025.
Relevanz steigend
Aufgrund der steigenden Inzidenz und zahlreichen neuen Therapien ist die Adipositas-Erkrankung in den letzten Jahren in den Fokus gerückt. Als einfach zu bestimmender Parameter für eine Einteilung der Adipositas wird nach wie vor der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Die alleinige Einteilung der Adipositas-Schweregrade über den BMI werde der Heterogenität der Erkrankung jedoch nicht gerecht, erläuterte Prof. Dr. Matthias Blüher, Leipzig. So ist die Adipositas eine Erkrankung, die durch eine vermehrte, fehlfunktionierende Fettmasse charakterisiert ist, was durch den BMI, der nicht zwischen Fett-, Muskel- und Skelettmasse unterscheiden kann, nicht zwingend darstellbar ist. Auch könne der BMI die Adipositas-assoziierte Mortalität und die individuellen Einschränkungen der Betroffenen nicht widerspiegeln.
Differenzierte Diagnostik erforderlich
Blüher sprach sich daher für eine differenziertere Diagnostik unter Einbezug von Messgrößen für die Körperfettvermehrung aus. Das können beispielsweise der Taillenumfang, das Taille-Hüfte-Verhältnis oder der Körperfettanteil sein. Insbesondere bei Patienten mit niedrigerem BMI kann das zur Identifikation des Adipositas-Phänotyps beitragen. Um die Patienten ausfindig zu machen, die besonders von einer Adipositas-Therapie profitieren würden, komme es darüber hinaus auf eine umfangreiche Anamnese zur Identifizierung der Ursachen, geeignete körperliche Untersuchungen und relevante Laboruntersuchungen an. Denn das Ziel der Adipositas-Therapie sollte die Verbesserung des Gesundheitszustandes sein und nicht nur die Gewichtsreduktion. Für eine differenziertere Diagnostik sprachen sich jüngst auch die EASO sowie die international besetzte Lancet Commission on Clinical Obesity aus.
Unverzichtbar in der Pädiatrie
In der Pädiatrie sehe das anders aus, erklärte Prof. Dr. Martin Wabitsch, Ulm. Hier gelte der BMI als unverzichtbares Instrument, der nicht nur Vorhersagen über die Gewichtsentwicklung im Erwachsenenalter, sondern auch Informationen über kardiovaskuläre Risiken geben könne. In einer Studie aus 2018 beispielsweise waren etwa 90% der Kinder, die bereits im Alter zwischen drei bis fünf Jahren unter Adipositas litten, auch im Jugendalter noch adipös.
Anhand des BMIs können wir heute sehr früh im Leben Adipositas diagnostizieren.
Die für die Erwachsenen proklamierte differenzierte Diagnostik wäre bei Kindern zukünftig zwar auch wünschenswert, Wabitsch zufolge jedoch aufgrund fehlender Daten aktuell nicht realisierbar.
Quelle
Online-Pressekonferenz anlässlich des Kongresses für Adipositas und Essstörungen 2025 am 10. September 2025.
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