Seit Jahren nimmt der Einsatz zielgerichteter Therapien in der Onkologie zu. Wie häufig thromboembolische Ereignisse unter bestimmten Wirkstoffklassen zielgerichteter Therapien auftreten, war die Fragestellung einer dänischen Kohortenstudie.
Komplexe Therapielandschaft
Die onkologische Therapielandschaft hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt: Immer häufiger werden molekulare zielgerichtete Therapien und Immuntherapien eingesetzt. Diese gehen jedoch auch mit neuartigen Nebenwirkungen einher. So deuten Beobachtungsstudien darauf hin, dass bestimmte Klassen zielgerichteter Therapien das Risiko für arterielle und venöse Thromboembolien erhöhen können. Dies ist umso fataler, da Krebspatienten im Vergleich zur gesunden Bevölkerung bereits ein erhöhtes Thromboserisiko aufweisen. Wie hoch das thromboembolische Risiko unter verschiedenen zielgerichteten Wirkstoffklassen tatsächlich ist, sollte in einer dänischen Studie ausführlich untersucht werden.
EGFR-Inhibitoren und Immuncheckpoint-Inhibitoren führend
Für die populationsbasierte Kohortenstudie wurden Daten von insgesamt 512.432 Krebspatienten zwischen 2004 und 2020 zugezogen. Davon hatten 41.744 eine personalisierte Therapie erhalten. In dieser Kohorte sollte das Risiko für arterielle (ATE) und venöse Thromboembolien (VTE) bestimmt werden. Dabei ergaben sich folgende kumulative 3-Jahres-Inzidenzen für ATE und VTE:
- Immuncheckpoint-Inhibitoren (n=7880): 3,7% und 8,1%
- Multikinase-Inhibitoren (n=3394): 3,4% und 7,5%
- CDK-4/6-Inhibitoren (n=1966): 2,6% und 6,9%
- ALK-/ROS-1-gerichtete Therapien (n=199): 2,5% und 9,2%
- EGFR-gerichtete Therapien (n=8603): 2,6% und 9,3%
- VEGF-gerichtete Therapien (n=12.802): 2,4% und 8,8%
- HER2-gerichtete Therapien (n=11.683): 1,4% und 3,4%
Die VTE-Inzidenz war demnach am höchsten unter EGFR-Inhibitoren, die ATE-Inzidenz unter Immuncheckpoint-Inhibitoren. Unter HER2-gerichteten Therapien war die Inzidenz hingegen am niedrigsten. Neben der Wirkstoffklasse war die Inzidenz abhängig von der Krebsart.
Überwachung und Prävention gefordert
Insgesamt sprechen die Studienautoren von einem klinisch relevanten ATE- und VTE-Risiko unter zielgerichteten Krebstherapien, abhängig von der Wirkstoffklasse und der Krebsart. Die Autoren sprechen sich daher für behandlungsspezifische Überwachungs- und Präventionsstrategien aus.
Quelle
Moik F, Horváth-Puhó E, Ay C, et al. Arterial and venous thromboembolic events in patients with cancer treated with targeted therapies: a population-based cohort study. EClinicalMedicine. 2025;87:103440. Published 2025 Aug 21. doi:10.1016/j.eclinm.2025.103440.
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