Ein neues GLP-2-Analogon verspricht mehr Lebensqualität für Patienten mit Kurzdarmsyndrom. Die nur zweimal wöchentliche Anwendung von Glepaglutid erzielte in einer Studie überzeugende Ergebnisse.
Verdauungsstörungen als Symptom
Ein Kurzdarmsyndrom bezeichnet das Vorhandensein von weniger als 200 cm funktionsfähigem Dünndarm, beispielsweise als Folge eines chirurgischen Eingriffs. Es ist verbunden mit Resorptions- und Verdauungsstörungen. Neben Symptomen wie Diarrhö durch eine beschleunigte Darmpassage treten oft ungewollter Gewichtsverlust und Mangelernährung auf. Zur Prävention einer Dehydrierung ist bei vielen Patienten eine parenterale Flüssigkeitsgabe angezeigt.
Durch die fehlenden Dünndarmabschnitte ist auch die Produktion der Glucagon-like Peptide(GLP)-1 und -2 eingeschränkt. Vor allem GLP-2 ist wichtig für die Darmmotilität und die Nährstoffabsorption. Ansatzpunkt der Therapie bei Kurzdarmsyndrom ist daher die Gabe von GLP-2-Analoga.
Neue Option ist langwirksam
Der bisher verwendete Wirkstoff Teduglutid weist eine Halbwertszeit von nur rund zwei Stunden auf. Nun wurde als Alternative Glepaglutid, Halbwertszeit 88 Stunden, in einer zulassungsrelevanten Phase-III-Studie untersucht. Die Stabilität in wässriger Lösung ermöglicht die Dosierung als gebrauchsfertige flüssige Formulierung. Das Präparat wird subkutan injiziert.
Bei allen 106 Probanden war zu Studienbeginn ein parenteraler Support mindestens dreimal pro Woche mit insgesamt durchschnittlich 14,4 Litern notwendig. Mit der zweimal wöchentlichen Anwendung konnte Glepaglutid in der Dosierung von 10 mg die Infusionsbehandlung um durchschnittlich 5,1 Liter pro Woche verringern. Bei Teilnehmern, die Glepaglutid einmal wöchentlich erhielten, betrug die eingesparte Infusionsmenge 3,8 Liter pro Woche. Für 51,4% der Patienten ermöglichte Glepaglutid eine Reduktion der parenteralen Therapie um mindestens einen Tag pro Woche, verglichen mit 19,4% unter Placebo.
Fünf Probanden (14%) konnten sogar durch zweimal wöchentliches Glepaglutid über 24 Wochen komplett auf den parenteralen Support verzichten, vier Probanden (11%) unter einmal wöchentlich Glepaglutid. Nicht unerheblich: Auch die Ergebnisse zur Patientenzufriedenheit, ermittelt über den Fragebogen Patient Global Impression of Change, ergaben unter Glepaglutid signifikante Vorteile.
Quelle
Jeppesen, Palle B. et al. Glepaglutide, a Long-Acting Glucagon-like Peptide-2 Analogue, Reduces Parenteral Support in Patients With Short Bowel Syndrome: A Phase 3 Randomized Controlled Trial. Gastroenterology 2025;168(4):701-713.e6.
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