Metformin jetzt auch bei Schwangerschaftsübelkeit?

Die Ergebnisse einer retrospektiven Studie deuten an, dass die Einnahme von Metformin einen Monat vor Empfängnis Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft vorbeugt.

Zusammenhang mittels Online-Fragebogen untersucht

Schwangerschaftsübelkeit bis hin zur schweren Form der Hyperemesis gravidarum wirkt sich negativ auf die Mutter und das ungeborene Kind aus. Mit etwa 70% sind jedoch die meisten Frauen davon betroffen. In einer retrospektiven Online-Studie wurde nun untersucht, inwiefern eine Metformin-Einnahme vor der Schwangerschaft die Übelkeit reduzieren kann. Eingeschlossen in die Analyse wurden Frauen, die die „Hyperemesis Gravidarum Education and Research Foundation“-Social-Media-Seiten zwischen Januar 2023 und September 2024 besuchten. Anhand eines strukturierten Fragebogens sollten sie angeben, welche Arzneimittel sie im Monat vor der Gestation einnahmen und wie ausgeprägt Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft waren. Die Zusammenhänge zwischen der Einnahme entsprechender Substanzen und der Übelkeit wurden anschließend mittels logistischer Regression geschätzt.

Insgesamt konnten Daten von 5414 Teilnehmern zur Einnahme verschiedener Substanzen gesammelt werden. Dabei ging die Einnahme von Metformin vor der ersten Schwangerschaft mit einem mehr als 70% geringeren Risiko für Hyperemesis gravidarum einher. In der zweiten Schwangerschaft war das Risiko für schwere Übelkeit, Erbrechen und Hyperemesis gravidarum um 82% reduziert.

GDF15-gesteuerter Mechanismus vermutet

Hintergrund der Untersuchung war die vorherige Erkenntnis einer genetischen Prädisposition der Hyperemesis gravidarum. Dabei scheinen niedrige Level des emetogenen Growth and Differentiation Factors 15 (GDF15) vor der Schwangerschaft eine Rolle zu spielen. Da die Konzentration des Wachstumsfaktors während der Schwangerschaft steigt, kann dies eine Hypersensitivität der betroffenen Frauen bewirken. Metformin induziert die endogene GDF15-Produktion und könnte daher das Hyperemesis-gravidarum-Risiko senken, schlussfolgern die Autoren.

Klinische Studie notwendig

Limitiert wird die Untersuchung dadurch, dass Indikation, Zeitpunkt und Dosierung der eingenommen Substanzen nicht erfasst wurden. Demnach könnten die erfassten Effekte auch mit zugrundeliegenden Erkrankungen zusammenhängen. Wie sinnvoll eine präventive Metformin-Anwendung tatsächlich ist, sollte zukünftig in randomisierten klinischen Studien untersucht werden.

Quelle

Sharma N, MacGibbon KW, Brecht-Doscher A, Cortessis VK, Fejzo MS. Prepregnancy metformin use associated with lower risk of severe nausea and vomiting of pregnancy and hyperemesis gravidarum. Am J Obstet Gynecol. Published online June 28, 2025. doi:10.1016/j.ajog.2025.06.055

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