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Divertikulitis: Welche Bedeutung hat ein gesunder Lebensstil bei genetischer Prädisposition?

Ein gesunder Lebensstil ist mit einem reduzierten Risiko für eine Divertikulitis verbunden, unabhängig von der genetischen Veranlagung.

Divertikulose und Divertikulitis

Fast jede zweite Person in Deutschland wird im Laufe des Lebens sogenannte Divertikel (Ausstülpungen der Darmwand) entwickeln. Mittlerweile nimmt die Prävalenz aber auch bei jüngeren Personen zu und führt, ebenfalls zunehmend, zu Komplikationen, die einen Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen.

Patienten mit einer Entzündung dieser Divertikel, einer Divertikulitis, leiden meist an Schmerzen und Fieber. Im weiteren Verlauf kann es aber auch zu Komplikationen wie einer Peritonitis, Fisteln oder einem Abszess kommen, die unter Umständen sogar eine notfallmäßige Kolektomie erfordern.

Risikofaktoren: Gene und Lebensstil

Sowohl genetische Faktoren als auch der Lebensstil begünstigen die Entstehung von Divertikeln und somit auch eine Divertikulitis. Frühere Zwillingsstudien deuten darauf hin, dass bei einer Divertikelkrankheit die Genetik ungefähr einen Anteil von 40 bis 53 % hat. Eine besondere Rolle scheint hier das Gen TNFSF15 zu spielen, das für ein Zytokin der Tumornekrosefaktor(TNF)-Familie kodiert. Genomweite Analysen haben insgesamt 150 genetische Varianten mit einer Divertikelkrankheit in Verbindung gebracht. Diese Gene spielen eine Rolle bei der Kolonstruktur, der Darmmotilität, dem gastrointestinalen Schleim oder der Ionen-Homöostase.

Neben der Genetik spielen allerdings auch Lebensstilfaktoren eine Rolle. Hierzu gehören vor allem Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung, hoher Konsum von rotem und verarbeitetem rotem Fleisch sowie eine geringe Ballaststoffzufuhr.

Ein gesunder Lebensstil könnte die Inzidenz einer Divertikulitis bis zu 50% reduzieren.

Unklar ist jedoch, welche Rolle ein gesunder Lebensstil bei einer genetischen Prädisposition für eine Divertikulitis spielt und wie das Zusammenspiel beider Faktoren das Divertikulitis-Risiko beeinflussen kann.

Gesunder Lebensstil hat trotzdem Einfluss

Genetische und Lebensstil-Daten wurden von Teilnehmern drei großer prospektiver Studien ausgewertet: Nurses’ Health Study (NHS), NHSII und Health Professionals Follow-up Study (HPFS).

Bei 179 564 Teilnehmern wurde ein Score für gesunden Lebensstil ermittelt, der aus Rauchen, Body Mass Index (BMI), körperlicher Aktivität, Ballaststoffaufnahme und Verzehr von rotem Fleisch bestand. Dieser Score wurde in der Southern Community Cohort Study (SCCS) mit 30.750 Teilnehmern validiert. Der Gen-Lebensstil-Zusammenhang wurde mithilfe von Daten der Mass General Brigham Biobank (MGBB) validiert.

Ein gesunder Lebensstil-Score war mit einem erniedrigten Divertikulitis-Risiko assoziiert. Für jede der fünf untersuchten Lebensstilkomponenten (Nichtraucher, normaler BMI, adäquate Bewegung, niedriger Konsum von rotem und verarbeitetem roten Fleisch sowie hohe Ballaststoffzufuhr) erhielten die Teilnehmer bei niedrigem Risiko einen Punkt und 0 Punkte bei hohem Risiko.

Im Vergleich mit einem Score von 0 Punkten ergab die multivariate adjustierte Analyse bei 5 Punkten (= gesunder Lebensstil) ein Hazard-Ratio (HR) von 0,5 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,44–0,57; p < 0,0001). Der Anstieg um jeden Punkt beim gesunden Lebensstil-Score war mit einem reduzierten Divertikulitis-Risiko verbunden; ähnlich in jeder genetischen Risikokategorie:

  • Niedriges genetisches Risiko: HR 0,89 (95%-KI 0,83–0,95)
  • Mittleres genetisches Risiko: HR 0,86 (95%-KI 0,81–0,92)
  • Hohes genetisches Risiko: HR 0,87 (95%-KI 0,83–0,91)

Kleine Unterschiede sind vorhanden

Der Zusammenhang zwischen dem Lifestyle-Score und dem Risiko für eine Divertikulitis war in allen untersuchten Kohorten ähnlich. Bei den einzelnen Risikofaktoren gab es jedoch Unterschiede. Zum Beispiel spielte Übergewicht bei Frauen eine größere Rolle als bei Männern. Beim männlichen Geschlecht hingegen machte die Ernährung am meisten aus. Wahrscheinlich liegt das am unterschiedlichen Beitrag potenzieller Ursachen wie der metabolischen Dysfunktion oder Entzündung.

Quelle

Ma W, et al. Lifestyle factors, genetic susceptibility and risk of incident diverticulitis: an integrated analysis of four prospective cohort studies and electronic health records-linked biobank. Gut 2025 Jul 1:gutjnl-2025-335364. doi: 10.1136/gutjnl-2025-335364. Online ahead of print.

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